Ist unser Wohlstand in Gefahr?

Gerald Balser, 27. November 2020

 

Deutschland ist seit Jahren eines der reichsten Länder der Erde und für Viele ist unser Wohlstand eine Selbstverständlichkeit, ein Ende nicht absehbar. Diese Vorstellung entspricht allerdings nicht ökonomischen Erkenntnissen. Wohlstand muss man sich als Volkswirtschaft verdienen und zwar immer wieder.

 

Dabei ist Deutschland arm an Bodenschätzen. Unsere einzige Ressource ist die Manpower, insbesondere der berühmte Erfindergeist unserer Ingenieure (German Engineering), der einst Deutschland zur Vorherrschaft in wichtigen Branchen verhalf. Maschinen- und Werkzeugbau (mittelständisch), Chemie- (BASF) und Pharmazieindustrie( Bayer), Elektroindustrie (Siemens), Optikindustrie (Carl Zeiss) und schließlich auch die Automobilindustrie (VW, BMW, Mercedes) waren die Aushängeschilder Deutschlands und machten Deutschland schließlich zum Exportweltmeister.

 

In den letzten 20 Jahren hat sich dieses Bild leider gewandelt. Deutschlands für lange Jahre so erfolgreichen Exportunternehmen zählen inzwischen zur alten Industrie. Neue, stark wachsende, digitale Industrien sind in Asien und in den USA entstanden. Unter den ganz großen globalen Playern finden sich lediglich VW und Daimler. Beide Unternehmen sind Vertreter der Automobilindustrie, unserer letzten internationalen Bastion.

 


Unsere Automobilindustrie lebt gefährlich. Nicht die uralten Heizungen in den privaten Wohnungen, noch nicht einmal die offenen Kamine, das Auto wurde zum Klimakiller und Feind erklärt. Die übereifrige deutsche Klima- und Umweltschutzbewegung ist bereit, für eine theoretisch mögliche Verlangsamung der globalen Erderwärmung den letzten Garanten unseres Wohlstandes, die Automobilindustrie, zu opfern. Obwohl es der Bewegung inzwischen gelungen ist, eine Transformation vom Verbrenner hin zum E-Automobil politisch durchzusetzten und in Gang zu bringen, ist sie mit diesem Ergebnis nicht zufrieden. Der Transformations-Prozess geht dem Umweltschutz nicht schnell genug, wohlwissend, dass der Verbrenner die Milliarden Euro an Investitionen für das E-Auto finanzieren muss.

 

Die von den Umweltschützern geforderte schnelle Transformation würde viele Arbeitsplätze kosten. Der Vorteil des Vorsprungs im Bau von Verbrennungsmotoren wäre bei einem schnellen Wechsel zum E-Motor mit einem Schlag weg. Die Karten würden neu gemischt. Die hunderttausende, erstklassig bezahlten, direkt bzw. indirekt von der Herstellung des Verbrenners abhängigen Arbeitsplätze wären gefährdet. Anstatt sich schützend vor die Automobilindustrie zu stellen, versucht die Bundesregierung die drohenden Pleiten und die Massenarbeitslosigkeit durch zusätzliche Schuldenaufnahme in Milliardenhöhe zu verhindern. Ein Wohlstand auf Pump.

 


Ausgerechnet in Zeiten von Corona beschließt die Politik, die Grenzwerte für 2030 wiederum zu verschärfen. Im Vergleich zu 2021 soll der Flottenwert 50 % weniger CO2 ausstoßen. Umgerechnet entspräche das einem Durchschnittsverbrauch von etwa zwei Litern auf 100 Kilometern. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste mindestens jedes zweite im Jahr 2030 neu zugelassene Fahrzeug dann ein vollelektrisches Auto oder ein Plug-in-Hybrid sein. Die aktuelle Zweigleisigkeit im Angebot würde sich dann kaum noch lohnen, de facto das Aus für den reinen Verbrennungsmotor.

 

Dass die Folgen dieser ideologisch geführten Politik in Deutschland hinsichtlich der zu befürchtenden Pleiten und Massenentlassungen weniger drastisch ausfallen könnten, ist weniger der überdimensionierten staatlichen Schuldenpolitik, sondern in erster Linie der Flexibilität und der schnellen Reaktion unserer Industrie zu verdanken, der es immer wieder gelingt, sich auf neue Herausforderungen einzustellen.

 

 

 

 


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Cadillac Series 62 in Havanna

Maler: Hartmut Neufeld 2015


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