679466

 Aufrufe

seit 15. 09.16

 

 



VW auf dem Weg zur E-No. 1?

Gerald Balser, 29. November 2020

 

Die Marke VW hat nicht den Ruf, besonders mutig und innovativ zu sein. Das überlässt sie gerne erst einmal ihren Mitbewerbern. Sollte sich eine neue Produktidee als Erfolg erweisen, übernimmt VW diese Idee, vermeidet die Anfangsfehler der Konkurrenten und wird, zumindest in Deutschland, häufig auf Anhieb Marktführer. Ein Copyright für Produkte gibt es in der Automobilbranche nicht. Diese, man könnte fast sagen, schlaue Vorgehensweise hat beim SUV wunderbar geklappt. Der Tiguan ist inzwischen, noch vor dem Golf, VWs Weltauto.

 

E-Autos zu bauen, war nicht die Idee von VW. Der Anstoß kam von dem damals kleinen Hersteller „Tesla“ aus dem Silicon Valley in Kalifornien/USA. Sein CEO Elon Musk erkannte das technische und auch umweltpolitische Potential des E-Motors und wagte mit seinem „Model S“ sogar die direkte Konkurrenz gegen die deutschen Luxusautos. Lange war das E-Auto ein unbedeutendes Nischenprodukt. Erst der internationale Klimaschutz wendete das Blatt. Der Verbrenner und somit auch die gesamte deutsche Automobilindustrie wurden zum Hauptfeind. Ständig verschärfende Emissionsgrenzwerte machten dem Verbrenner und vor allem dem Diesel das Leben schwer und förderten indirekt das E-Auto. Tesla wurde nicht nur zum Vorbild, sondern global auch zum größten Hersteller von E-Autos. Bei den monatlichen Neuzulassungen in Deutschland hat das E-Auto bereits den Diesel überholt. In den Niederlanden war die Mittelklasse Limousine Model 3 zeitweise sogar das meistverkaufte Auto.

 

Die zukünftigen Grenzwerte für Emissionen in der EU erlauben im Durchschnitt einen Flottenverbrauch von lediglich zwei Liter. Dieses Ziel lässt sich nur mit einem hohen Anteil an E-Autos erreichen. Eine Zweigleisigkeit von Verbrenner und E-Auto wird sich auf Dauer kein Hersteller leisten können. Damit dürfte die Entscheidung gegen den Verbrenner endgültig gefallen sein. Ein schwerer Schlag gegen die Autobauernation Deutschland mit seinen vielen mittelständischen Zulieferern.


Einen deutschen Profiteur gibt es allerdings, den VW-Konzern und hier vor allem die Marke VW. Der CEO Herbert Diess hatte sich, wahrscheinlich ausgelöst durch den Schock des Dieselskandals, sehr früh für das E-Auto entschieden. Seine Kollegen von Mercedes und BMW, aber auch Teile von VW bzw. des VW-Konzerns, haben ihm diese mehr oder minder einsame Entscheidung sehr verübelt. Zum Leidwesen der Motoringenieure bei VW gingen viele Milliarden Euro nicht mehr in die Weiterentwicklung des Verbrenners, sondern in die Entwicklung des E-Autos bzw. eines „Modularen E-Antriebs Baukastens“ (MEB). Heute profitiert VW als einzige Hersteller von diesem Instrument. Mit Hilfe des MEB ist VW in der Lage, in kürzester Zeit parallel zu seinen Verbrennern die entsprechenden elektrischen Gegenstücke auf den Markt zu bringen. Mit dem MEB ist die Marke VW dabei richtig viel Geld zu verdienen, denn nicht nur die anderen Konzernmarken, auch z. B. Ford möchte den MEB für seine zukünftigen E-Autos nutzen.

 

Wie einfach und schnell eine komplette neue E-Flotte mit Hilfe des MEB aufgebaut werden kann, zeigt VW sehr eindringlich mit seinem mutmaßlichen Zeitplan. Dabei fällt auf, dass VW glaubt,  bei der ID-Familie mit einer einfachen Durchnumerierung der Modelle sich von der schwierigen Namensgebung ganz verabschieden zu können. Ich halte dieses Vorhaben für einen Fehler, denn in den Anfängen von VW war man mit einer seelenlosen chronologischen Numerierung schon einmal erfolglos. Die Kunden konnten mit den Nummern nichts anfangen und gaben den VW-Modellen Namen. Der Käfer hatte die offizielle Verkaufsbezeichnung VW 1300 bzw. war der Typ 1, der Bulli Typ 2, der VW 1500  (Limousine und Variant) Typ 3 und der Nasenbär (Limousine und Variant) der 411 bzw. Typ 4. MIt dem Namen VW Passat wollte VW den neuen Wind bei der Marke symbolisieren. Auch die darauf folgenden Modelle und Namen waren sehr erfolgreich.


Die Weichen für die Modellbezeichnungen der neuen vollelektrischen Autos sind zwar gestelllt. Dennoch sollte VW bei der zu erwartendenden Vielzahl der neuen Modelle das System aufweichen und zumindest einen Mix aus Nummern und emotionalen Namen finden. Die bereits verwendeten Arbeitsnamen sind doch gar nicht so schlecht.

 


ID.3

als Gegenstück zum Golf

Markteinführung

Mitte 2020

Auslieferung

Ende 2020


ID.4

als Gegenstück zum Tiguan

Markteinführung

Ende 2020 Auslieferung

Anfang 2021


ID.5 oder Crozz

als Coupé-Version des ID.4

Markteinführung

Mitte 2021  Auslieferung

Ende 2021


ID.6 oder Buzz

als Gegenstück zum Bulli/Touran

Markteinführung

Anfang 2022  Auslieferung

Mitte 2022


ID.7  oder Vizzion/Space Vizzion

als Gegenstück zum Passat bzw. Passat Variant

Markteinführung
Mitte 2022 

 Auslieferung

Ende 2022


ID.1 bzw. 2

als Gegenstück zum up! bzw. T-Cross

Markteinführung Anfang 2023

Auslieferung

Mitte 2023


ID.8 oder Crozz

als Gegenstück zum Touareg

Markteinführung

Mitte 2023 Auslieferung

Ende 2023

Quelle: VW AG

 


 

 

 

Bei diesem engen Zeitplan und der großen Anzahl neuer Modelle überflügelt VW jeden anderen Hersteller, auch Tesla. VW oder anders gesagt Herbert Diess hatte früh erkannt, wohin die Reise geht und mit der Favorisierung des E-Autos die Weichen rechtzeitig und richtige gestellt. Weiterhin wollte Herbert Diess VW bei den wichtigsten Teilen eines E-Autos, nämlich Software und Akkus, unbedingt aus der Abhängigkeit von den Asiaten und US-Amerikanern führen und gründete eine eigene Softwarefirma (Car.Software-Organisation).


Solch weitreichenden Maßnehmen, die für VW gleichzeitig Neuland bedeuteten gehen kaum ohne Anfangsschwierigkeiten. Leider hatten ausgerechnet die beiden für VW wichtigsten Modelle, die neue Generation Golf 8 und der neu entwickelte ID.3, erhebliche Softwareprobleme, die eine zeitliche Verschiebung der Einführung notwendig machten. Besonders peinlich war, dass zur Einführung nicht alle vesrprochenen und vom Kunden bereits bezahlten digitalen Hilfen zur Verfügung standen und erst Zug um Zug per Update nachgeliefert werden können. Gerne hätten die internen Gegner ihrem CEO aus der Software-Panne einen Strick gedreht. Zum Rauswurf reichte es nicht, aber immerhin zum Verlust der Führung der Kernmarke VW. Noch schwieriger und zeitaufwendiger getaltet sich die gewünschte Unabänigkeit von asiatischen Zulieferern bei den teuren Akkus. Zwar baut VW zusammen mit der schwedischen Firma Northvolt in Salzgitter ein eigenes Werk, wird aber noch lange Akkus von den asiatischen Zulieferern beziehen.


Nach den neuesten für VW positiven Entwicklungen auf dem Automarkt dürfte die Position von VW aber auch die von dessen CEO wieder gefestigt sein. VW steht wegen der Transformation keinesfalls vor dem Abgrund und kämpft auch nicht wie manch anderer Hersteller ums Überleben. Die Frage ist, wann VW Tesla als Marktführer ablösen wird und das könnte sehr bald der Fall sein.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Marke von 675.000 Aufrufe überschritten!!!


Das Bild des Jahres

Cadillac Series 62 in Havanna

Maler: Hartmut Neufeld 2015


Der Hammer des Jahres

Cupra Formentor



Inhaber und Autor der Website 

Automobilmarkt Deutschland

Gerald Balser

Gerald Balser

St. Pete, FL, Oktober 2016

 


VW-Mitarbeiter 

Gerald Balser als Messestandpersonal

IAA Frankfurt 1973



10. Januar 2021

Der VW Golf darf nicht sterben.



5. Januar 2021

Sollte man sich heute noch einen neuen Verbrenner kaufen?



2. Januar 2021

Die SUV-Offensive des VW-Konzerns



1. Januar 2021

VZ vs. R.

Wie bitte?








28. Dezember 2020

SEAT – Vom Sorgenkind zum Leistungsträger



26. Dezember 2020

Der neue VW Golf: GTI oder GTE oder GTD?



9. Dezember 2020

Digitales Auto - Warum immer noch so viele Autounfälle, Verkehrstote und Verletzte?



7. Dezember 2020

SUV – Das weltweit größte Marktsegment mit Zuwachsraten



5. Dezember 2020

VW ID4 vs. VW Tiguan eHybrid



4. Dezember 2020

Elektroautos und Namen



2. Dezember 2020

VW Golf 8 – der beste Golf, den es je gab, aber?



30. November 2020

Wozu eigentlich noch Hybrid?



29. November 2020

VW auf dem Weg zur E-No.1?



28. November 2020

Ist unser Wohlstand in Gefahr?



25. November 2020

Der Kampf um den E-Automarkt?



22. November 2020

Autohaus ohne Zukunft?



19. November 2020

VWs bester Kompakter?



18. November 2020

Ist die Golf-Ära zu Ende?



7. November 2020

Ist die deutsche Automobilindustrie noch zu retten?




6. November 2020

Wer die Wahl hat, hat die Qual:

ID.3 oder ID.4?



2. November 2020

 VW ID.3 – kann der Golf?



30. Oktober 2020

Ist die deutsche Automobilindustrie hinsichtlich der Elektrifizierung gut aufgestellt?



27. Oktober 2020

Die E-SUV-Offensive des VW-Konzerns

Cupra Tavascan


26. Oktober 2020

Cupra Formentor


24. Oktober 2020

ID.4 vs. Tiguan



20. Oktober 2020

Modulares Baukasten-System



18. Oktober 2020

E-Konvergenz




7. Oktober 2020

Verkehrswende



6. Oktober 2020

Geht das VW-Konzept mit VW ID.3 und ID.4 auf?




4. Oktober 2020

Sollte man sich bereits heute ein E-Auto kaufen?



30. September 2020

VW bläst zur E-Offensive!



24. September 2020

Weltpremiere VW ID.4



24. September 2020

Cabriolet ade!



11. September 2020

Kann er wirklich über Wasser gehen?



19. August 2020

Ein Schreck-gespenst geht um!



19. August 2020

Assistenz-syteme helfen Leben retten!



15. August 2020

Aus der Zeit gefallen?



2. August 2020

Der neue 

VW T-Roc R



1. Juli 2020

Tanz auf der Titanic

Bildquelle:VW AG



1. Juli 2020

Carl H. Hahn wird 94

Prof. Dr. Carl H. Hahn



20. Juni 2020

VW Arteon Shooting Brake



11. Juni 2020

Konjunktur-programm

Teil 2



7. Juni 2020

Leasen anstatt kaufen



5. Juni 2020

Konjunktur-programm und das Auto



5. Juni 2020

Das Modell VW



25. Mai 2020

Corona - Teil 2



22. April 2020

VW Passat GTE Variant Facelift




14. April 2020

Wirrwarr beim Aufladen



3. April 2020

Corona und das Automobil



30. März 2020

VW vs. Tesla



19. März 2020

Eine Lanze brechen für das Komplettauto



13. März 2020

Der neue Golf oder der ID.3?


 




22. Februar 2020

Zeitalter des E-Autos?



21. Februar 2020

95 g CO2 Flottenausstoß



7. Februar 2020

Überschätzte Reichweite?



28. Januar 2020

VW-Software



3. Januar 2020

VW 2020:

ID.3 und ID.4



 

20. November 2019

VW: Vorreiter der E-Mobilität

 



13. November 2019

2020 wird elektrisch



8. November 2019

Warum einen PHEV kaufen?



11. Oktober 2019

Ich kaufe mir ein E-Auto!



























































E-Mail