Buhmann SUV

Gerald Balser, 12. August 2019

Update: 13. September 2019

 

Es vergeht kein Tag, an dem die Medien das SUV (Sport Utility Vehicle) als einen der Hauptverursacher der Umweltverschmutzung verdammen. Angesichts der Erderwärmung wäre es absolut unanständig, sich heutzutage ein solches Fahrzeug zu kaufen. Umso überraschender sind die aktuellen Zahlen des KBA (Kraftfahrzeug-Bundesamts). Der Gewinner auf dem deutschen Automobilmarkt ist das SUV. Der Segmentführer VW Tiguan ist inzwischen auf dem Deutschen Automobilmarkt die Nr. 2 nach dem VW Golf. Da nahezu jeder Hersteller auf den Erfolgszug aufspringt, ist das Angebot an SUVs überproportional groß. Der Anteil der SUVs an der Gesamtzahl der Neuwagenzulassungen beträgt aktuell ca. 30 % und eine Umkehr des Trends ist nicht zu erwarten.

 

Dabei scheint mir, die veröffentlichte Meinung mit ihrer Kritik nicht auf dem neuesten Stand zu sein. Sie argumentiert immer noch so, als befände man sich in den Anfängen dieses Trends. Damals handelte es sich tatsächlich um reine, zumeist große Geländewagen, die notwendigerweise sehr stabil gebaut waren und zusätzlich eine schwere Geländetechnik besaßen. Dinge, die dieses Auto sehr schwer machten und zu hohen Spritverbräuchen führten. Fakten, die in Zeiten des Umweltschutzes sicherlich nicht gerade gut ankommen. Geländewagen waren damals und sind auch heute lediglich eine Marktnische mit der Zielgruppe Jäger und Förster bzw. Bewohner von Gebirgsregionen. Die Nachfrage stieg erst an, als man dazu überging, den Geländewagen auch für den Normalverkehr in Stadt und über Land umzubauen.  Quasi als Reminiszenz an den Geländewagen blieben der Allradantrieb serienmäßig, ein hoch gestelltes Fahrwerk mit einer komfortablen erhöhten Sitzposition sowie die praktische große Heckklappe. Das Fahrzeug war aber in der Geländetauglichkeit zumeist eingeschränkt.  Dafür erfüllt es alle Ansprüche an einen PKW, wurde emotional gestylt, elegant, ja im Hinblick auf die Motorisierung zum Teil richtig sportlich. Die große Überraschung war, dass der Käufer den Mehrpreis für die noch vorhandene Geländetauglichkeit und das Mehr an Unterhaltungskosten gegenüber einem herkömmlichen PKW akzeptierte. Die Amerikaner nannten dieses neue Fahrzeug SUV. Inzwischen wird der Begriff SUV als Oberbegriff für die ganze Gattung verwendet. Orientiert man sich aber an der Statistik des Kraftfahrtbundesamtes kommt man leicht durcheinander, denn das KBA betrachtet den Geländewagen immer noch als eine eigene Fahrzeugklasse und unterscheidet fein säuberlich. Die Kriterien des KBA führen allerdings zu merkwürdigen Ergebnissen. So gehören danach der VW Tiguan und der elegante Q3 von Audi zu den Geländewagen und der rustikale Lada Niva zu den SUVs.

 

Vor nicht allzu langer Zeit wurde lediglich zwischen großen und kompakten SUVs unterschieden. Inzwischen ist die Angebotspalette genauso breit wie beim PKW. Es gibt sogar Mini-SUVs. Das attraktive SUV dient heute sogar als Basis für vielerlei Kreuzungen, Crossover-SUV bzw. CUV (Crossover-Utility-Vehicle) genannt. Der CUV entfernt sich immer weiter von seinem Ursprung, dem Offroader und geht im Design in Richtung Sportlichkeit. Aus dem Steilheck wird ein Schrägheck bzw. sogar ein Fließheck und schon hat man ein zusätzliches Coupé im Sortiment. Vorreiter für diese Marktidee sind die Marken BMW mit den Modellen X4 und X6 und Mercedes mit den Modellen GLC Coupé und GLE Coupé. Ab 2020 wird es auch vom Segmentführer VW Tiguan eine Coupé-Version geben. Ähnlich wie bei beim Coupé gegenüber seiner Limousine ist das SUV-Coupé im Preis teurer. Ein gutes Geschäft für die Hersteller. Da VW inzwischen ein Cabrio im Portfolio fehlt, will die Marke im Jahre 2020 noch einen Schritt weiter gehen und  seinen T-Roc als Cabriolet anbieten.

 

Die aktuelle mediale Beschimpfung des SUV-Käufers ist so also nicht gerechtfertigt. Die Grundfläche des SUV unterscheidet sich nicht von der Limousine. Das Fahrzeug ist nur aufgrund der gewollten hohen Sitzposition in den Abmessungen einige Zentimeter höher. Dadurch wirkt auch ein Kompakt-SUV, wie z. B. der VW Tiguan mit seinen nur 4,50 cm Länge, wuchtig. Dennoch ist er etwas kürzer als der VW Golf Variant. Auch hinsichtlich des Spritverbrauchs unterscheiden sich die SUVs nicht wesentlich von den entsprechenden Limousinen. Das SUV von heute ist im Grunde in allen Klassen die attraktive Alternative zur Limousine bzw. dem Kombi. Die so verteufelten dicken, fetten Protz-Offroader sind also nicht die Masse der SUV - übrigens genauso wenig wie die Luxuslimousinen - , sondern haben einen Anteil von lediglich 4,5 %. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Umweltschützer ein symbolisches Hassobjekt gesucht und gefunden haben.

 

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




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