E-Auto und Reichweite

Gerald Balser, 2. August 2019

 

Jeder, der einmal ein E-Auto fahren durfte, ist begeistert. Eine Beschleunigung wie in einem Sportwagen und dabei absolut leise. Zugegeben, nichts für einen Poser mit Benzingeruch und seinem chrombeladenen Hingucker-Auto und den zwei blank polierten Doppelauspuffrohren. Für einen Normalo, der sich über ein wartungsarmes, kompaktes Auto mit einem überraschend großen Innenraum freut, ist das E-Auto ein Segen. Dennoch, zurzeit ist das E-Auto immer noch eine Marktnische und das liegt wahrscheinlich an seinem hohen Preis oder besser gesagt Listenpreis. Hersteller und Bundesregierung kommen dem Käufer zwar durch satte Nachlässe bzw. Prämien bereits entgegen, aber leider bisher ohne den ganz großen Erfolg.

 

Ein weiteres Schlüsselproblem ist die aktuell sehr schwere, große und teure Batterie. Die bringt den Hersteller in eine Zwickmühle. Der Kunde verlangt vom E-Auto ähnlich hohe Reichweiten wie vom Benziner. Die vom Kunden gewünschten Reichweiten können jedoch nur in Autos mit einer entsprechend großen Grundfläche erreicht werden, jedenfalls nicht in kleineren Autos. Viele, große Batterien machen schwere Autos jedoch noch schwerer und vor allem sehr teuer. Dabei wird die Bedeutung der Reichweite maßlos überschätzt. Bei einem Verzicht auf die ganz großen Rechweiten, könnten die E-Autos wieder viel kleiner, leichter und billiger, aber auch effizienter werden. Nachteile hielten sich in Grenzen, da große Reichweiten nur in Ausnahmefällen benötigt werden. Normalerweise wird ein Auto über 80 Prozent im Nahbereich gefahren und gerade in den Innenstädten gäbe es die größte Energieersparnis. Ein weiterer Fehler für die bisher misslungene Akzeptanz des E-Autos ist meines Erachtens, das Elektroauto politisch zu propagieren, ohne die notwendige Infrastruktur bereit zu stellen. Zurzeit weiß der Kunde nicht so recht, wo er sein Auto aufladen kann. Die Wallbox ist nur für Eigenheimbesitzer interessant und für diesen außerdem eine zusätzliche Investition.


Anders als beim Benziner, der an einer Tankstelle aufgetankt werden muss, ist das Nachladen mit Strom theoretisch überall möglich. Wer in letzter Zeit in den Niederlanden war, dem wird aufgefallen sein, dass E-Autos auf Parkplätzen am Straßenrand aufgeladen werden und zwar kostenlos und ohne die dort übliche hohe Parkgebühr.  Bei guten Hotels sind dort Parkplätze mit Ladestation bereits Standard. Aber auch in Deutschland kommt Bewegung in die Sache. Die ersten Möbelhäuser und Supermärkte bieten bereits auf ihren Parkplätzen während des Einkaufs ein kostenloses Aufladen an. VW arbeitet an mobilen Ladestationen, die wie Dixitoiletten überall hingestellt werden können. Die in Kürze auf den Markt erscheinenden neuen E-Autos können in einer halben Stunde Strom für ca. 250 km laden. Damit könnte das Problem von Reichweiten um die 200 km eigentlich gelöst werden. Diese Leistung würde sogar für eine kurze Rast bei der Urlaubsfahrt ausreichen.


Unsere Hersteller sollten nicht den teuren und eher ausgrenzenden Irrweg der Firma Tesla gehen, die mit ihren sehr großen Reichweiten - sehr erfolgreich - wirbt. Nicht die fehlende Reichweite von 600 km oder gar 700 km ist das eigentliche Problem, sondern die heute noch fehlenden flächendeckenden Möglichkeiten des Aufladens.

 

 

 

 




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