ou 


VW: Vorreiter der E-Mobilität

Gerald Balser, 3. August 2019


Volkswagen macht ernst mit der E-Mobilität und geht in eine 30-Milliarden-Euro-Offensive. O-Ton von VW: „Fakt ist, dass die Architektur des  Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) die Elektroautos und damit das Automobil generell grundlegend verändern wird. Denn der MEB wirft jeglichen Ballast des fossilen Zeitalters ab, da er konsequent für Elektroautos konzipiert wurde. Und damit verändern sich das Karosseriedesign, das Interieurdesign, das Package und die Antriebscharakteristik der elektrisch angetriebenen Volkswagen signifikant.“ Das besondere an den zukünftigen ID-Modellen ist, dass sie gegenüber ihren Außenabmessungen im Innenraum jeweils eine Klasse höher eingestuft werden können. Ein höherer Preis der ID-Modelle wäre somit auch gerechtfertigt.


Die Umstellung soll Zug um Zug erfolgen. Konkret heißt dies, dass jedes aktuelle Modell mit Verbrennungsmotor ein elektrisches Pendant bekommen wird. Bereits von VW angekündigt sind folgende Modelle:


Golf                ID.3  innen Passat

                       (Kann bereits bestellt werden und wird im Frühjahr 2020 ausgeliefert.)

T-Cross          ID.2 innen Tiguan

Tiguan           ID.4 innen Touareg

Touran           ID.Buzz innen Multivan


Für diesen mutigen Schritt bekommt VW viel Beifall (sogar von den Grünen), aber nicht unbedingt vom eigenen Betriebsrat. Bei Bernd Osterlohe, dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates, erzeugte die frühe Festlegung seines Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess eher Bauchschmerzen. Seine jüngste Kritik „Wir riskieren, was uns stark gemacht hat“ lässt eher auf ein Festhalten an glanzvolle Zeiten und Pessimismus schließen. Aus der Sicht der Arbeitnehmer sind die Befürchtungen nicht ganz unbegründet, denn es ist wahrscheinlich, dass ein Produkt, das plötzlich nur noch aus wenigen Teilen zusammengesetzt wird, weniger Arbeitnehmer benötigt als ein hochkompliziertes Produkt mit sehr vielen Teilen. Vorsorglich haben die Arbeitgeber auch bereits Kündigungen für die gesamte Branche inkl. der Zulieferer angekündigt.


Dennoch, es besteht kein Grund zur Panik. Die Elektrifizierung des Automobils wird nicht von heute auf morgen erfolgen. Sie ist ein Prozess, der je nach dem Fortschritt der Technik sogar recht lange dauern könnte. Außerdem geht man davon aus, dass Verbrennungs- und Elektromotor viele Jahre parallel angeboten werden. Anders wäre eine Umstellung auch gar nicht möglich, denn diese braucht nicht nur Zeit, sondern muss nach Herbert Diess aus dem derzeitigen Geschäft mit dem Verbrennungsmotor finanziert werden. Wermutstropfen: Da zu erwarten ist, dass der Kuchen sich nicht so einfach vergrößern lässt, werden die Stückzahlen pro Modell zwangsläufig zurückgehen. Keine gute Voraussetzung für niedrige Preise.


VW verfolgt für seine Umstellung offensichtlich eine pfiffige Strategie. Der Schwerpunkt der Elektrifizierung wird zunächst auf jenes Auto gelegt, das beim Umweltschutz den schlechtesten Ruf hat, nämlich das SUV. Das hochbeinige SUV mit seiner steilen Windschutzscheibe ist das Gegenteil von windschnittig, dafür aber prädestiniert für einen hohen Komfort und Nutzwert. Das E-SUV ist das ideale Auto für den nicht emotionalen,  kritischen, vernunftgesteuerten Kunden, der in erster Linie sicher und bequem von A nach B will und dies mit einem guten Umweltgewissen. Hässlich dürfen diese Autos dennoch nicht sein. Für alle anderen Kunden gibt es dann immer noch die sportlich-schnittigen, emotional begeisternden Autos mit Verbrennungsmotor.


Aber auch das Auto mit Verbrennungsmotor wird sich verändern müssen. Das Zauberwort heißt Mildhybrid (Mild Hybrid Electric Vehicle = MHEV), also Benziner oder auch Diesel mit einem zusätzlich eingebauten kleinen Elektromotor. Der Elektromotor führt zu einer Leistungssteigerung (booster) des Verbrennungsautos, unterstützt also bei der Beschleunigung und erlaubt den Einbau kleinerer Verbrennungsmotoren (Downsizing) und führt somit zu einem geringeren Benzinverbrauch. Damit lassen sich niedrige Grenzwerte für Emissionen viel leichter erfüllen. Die heute noch übliche 12-Volt-Batterie reicht dafür allerdings nicht aus und muss durch die starke 48-Volt-Batterie ersetzt werden. Den neuen Golf VIII wird VW im Jahr 2020 bereits als 48-Volt-Mildhybrid anbieten. Bei sehr großen, schweren Autos wäre grundsätzlich die Einführung der Brennstoffzelle sinnvoll, hätte aber den Nachteil einer zusätzlichen, teuren Technologie mit weiteren, sehr hohen Entwicklungs- und Infrastrukturkosten. Der Plug-in-Hybrid (E-Auto mit Charger) ist die billigere Lösung, bereits lieferbar und man bliebe im System.

 

 

 

 

 




Gerald Balser

Gerald Balser

Oktober 2016


Ich kaufe mir ein E-Auto!

VW ID.3 Quelle: VW AG


Sollte man sich bereits heute ein E-Auto kaufen?

Audi e-tron Quelle: AUDI AG


Setzt die Umweltpolitik unseren Wohlstand aufs Spiel?



IAA-Rückblick: Totgesagte leben länger!

 


IAA Frankfurt in Gefahr?


Buhmann SUV


Öffentliche Verkehrsmittel als Lösung?


Was wird aus dem VW Golf?


LKWs runter von der Autobahn!


VW hat wieder ein Cabriolet


VW: Vorreiter der E-Mobilität


E-Auto und Reichweite


Es läuten die Alarmglocken


Batterie oder Brennstoffzelle?