IAA-Rückblick:

Totgesagte leben länger!

Gerald Balser, 24. September 2019

 

Das internationale Aushängeschild Deutschlands ist die Automobilindustrie und ihre Visitenkarte die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main. Warum ausgerechnet Frankfurt mit seinen gerade einmal 730.000 Einwohnern? Die deutsche Hauptstadt Berlin war vor dem Zweiten Weltkrieg der Sitz der IAA. Warum wechselte der Sitz danach nicht in eine der beiden bedeutendsten Autostandorte Stuttgart oder München? Auch Köln bzw. eine der großen Ruhrgebietsstädte des mit Abstand bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfahlen wäre keine schlechte Wahl gewesen. Seine heutige Bedeutung verdankt Frankfurt den Amerikanern. Für die damaligen amerikanischen Streitkräfte war die zentrale Lage Frankfurts ausschlaggebend. Durch die Amerikaner wurde Frankfurt zum Flug-Drehkreuz, zur Banken- und Messestadt. In den USA hält man Frankfurt für eine Millionenstadt.

 

Durch eine leichtsinnige Politik auf Bundes- und Kommunalebene wird plötzlich die Stellung Frankfurts, aber auch die der IAA in Frage gestellt. Der Frankfurter Oberbürgermeister stellte sich politisch eher gegen als vor seine größte Messe, die Bundesregierung versuchte sich herauszuhalten und der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) und die Messeleitung wollten gerne so wie bisher weiter- wurschteln. Dabei war die IAA 2019 hinsichtlich der gezeigten Fahrzeuge die fortschrittlichste Messe bisher. Es wimmelte nur so an alternativen Antrieben, insbesondere an Elektromotoren. Erstmals wurden nicht wie sonst üblich Visionen ausgestellt, die nach der IAA in der Versenkung verschwanden. Der Besucher hatte die gute Gelegenheit, sich über die serienreifen, innovativen Fahrzeuge von morgen zu informieren. Leider haben die Umweltschützer einfach nicht zur Kenntnis genommen oder nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass die deutsche Automobilindustrie in kürzester Zeit das Steuer herumgerissen hat und bereits dabei ist, in eine umweltfreundliche Richtung zu gehen. Der VDA hat bei allem keine gute Figuar abgegeben. Für einen Rücktritt des Vorsitzenden gab es keinen schlechteren Zeitpunkt. Dabei hätte der VDA bei einer solch innovativen IAA eigentlich die Gelegenheit gehabt, thematisch in die Offensive zu gehen.

 

Die gezählte Zahl von gut 560 000 Besuchern mag verglichen mit dem Zenit von 1 Million im Jahr IAA 2007 gering sein, ist aber immer noch als ein Erfolg zu werten, insbesondere vor dem Hintergrund der angekündigten nicht immer gewaltfreien Störungen durch radikale Umweltschützer und bei den tatsächlichen Blockierungen von Messezugängen sowieso. In diesem Zusammenhang ist es für mich unverständlich, dass Verantwortliche der Stadt Frankfurt es hinnehmen, wenn friedliche Bürger am Zutritt einer Messe gehindert werden. MIt einer Notwehrsituation hatte die IAA überhaupt nichts zu tun.


Natürlich hat vor allem die Absage vieler ausländischer Hersteller die Attraktivität der diesjährigen IAA deutlich gesenkt. Zur Überraschung hatte der Blick in die Messehallen diesen Eindruck überhaupt nicht bestätigt. Die Menschen drängten sich nach wie vor um die ausgestellten Fahrzeuge. Dies war aber nur deshalb so, weil sich die Anzahl der Hallen insgesamt verringert hatte.


Ich glaube an die Zukunft der IAA. Die Messeverantwortlichen werden sich aber schon Gedanken darüber machen müssen, mit welchen neuen Konzepten man zukünftig auftreten wird. Ein Wechsel des Messestandortes allein wird keinen Erfolg bringen.




IAA Frankfurt in Gefahr?

Gerald Balser, 28. Februar 2019

update: 13. September 2019


Das Autoland Deutschland besitzt mit der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main die größte Automesse der Welt. Alle zwei Jahre wiederholt sich ein Schauspiel. Die Autofans pilgern, auch gerne mal mit Kind und Kegel, in Massen in das riesige Messegelände und klappern brav Meile um Meile die zum Teil sehr weit auseinander liegenden Tempel der Autohersteller ab. Für den Messebetreiber und die Stadt Frankfurt und sogar für die Rhein-Main-Region ein Riesengeschäft.


Allerdings den ersten Dämpfer gab es bereits 2001. Während des Messebetriebs am 11. September 2001 verbreitete sich die Nachricht vom Terrorangriff auf die Twin Towers des World Trade Centers in New York. Mit einem Schlag war die gewohnte Buntheit und Fröhlichkeit der IAA zu Ende. In den Vordergrund der Berichterstattung rückten die ausgelegten Kondolenzbücher. Der beliebte Glamour der IAA mit Bühnenshows und jeder Menge Prominenz  kehrte nie wieder zurück. Im Jahr 2008 erlebte die Autowelt eine Absatzkrise, die in Deutschland Gott sei Dank mit Hilfe staatlicher Absatzprämien und Kurzarbeit erfolgreich abgefedert wurde. Für die IAA 2009 hatte diese schlechte Erfahrung spürbare Auswirkungen, denn bei den Herstellern war ab sofort Sparen angesagt.

Foto:privat


Die jüngste Keule haben die Hersteller, insbesondere VW, mit dem Dieselskandal direkt im Anschluss an die IAA 2015 selbst geliefert. Seitdem ist die Branche verunsichert und vermeidet unnötige Kosten. Zumal niemand genau weiß, wie man sich als Hersteller auf der IAA verhalten soll. Die Elektrifizierung des Autos scheint zwar abgemacht zu sein, aber kein Hersteller will sich das aktuelle Geschäft mit den traditionellen Verbrennungsmotoren verderben. Herbert Diess, der Vorstandsvorsitzende der VW AG, hat kürzlich in einem Interview unumwunden zugegeben, dass die Milliarden-Anstrengungen des Konzerns für die Elektrifizierung der Flotte mit dem Verkauf der Autos mit Verbrennungsmotor erwirtschaftet werden muss. Bei den benötigten Unsummen bleibt für Glamour auf Automessen wenig Spielraum  übrig. Viele Hersteller haben daher die Teilnahme an der IAA 2019 abgesagt, z. B. die gesamte Fiat-Gruppe, Peugeot, Citroen, Renault, Volvo, Toyota, Nissan, Mitsubishi und sogar Tesla. Die deutschen Marken sind fast unter sich, die eine oder andere Halle wird leer bleiben, man rückt zusammen. Die angemietete Fläche hat sich fast halbiert und die Stände präsentieren sich eher bescheiden. 


Wenn vor diesem Hintergrund der Frankfurter Oberbürgermeister, der qua Amt gleichzeitig auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Messegesellschaft ist, nicht zur offiziellen Eröffnung eigeladen wird, weil dieser mit seiner Schelte gegen die deutsche Automobilindustrie ins Horn der linken, radikalen Umweltschützer bläst, aber gleichzeitig die Standmieten in nicht mehr bezahlbare Höhe treibt, dann darf man sich nicht wundern, dass in der Öffentlichkeit  bereits laut über eine Verlegung der IAA nachgedacht wird. Dabei ist die Stadt Frankfurt mit ihrem Flughafen, dem Drehkreuz Europas, für eine IAA geradzu prädestiniert. Die Messeleitung wird sich zusammen mit den Herstellern überlegen müssen, wie man die Attraktivität der IAA Frankfurt zukünftig erhöhen kann.


Als wenn es der Hiobsbotschaften nicht schon genug wären, meldeten sich nur wenige Wochen vor Beginn der IAA 2019 die Umweltschützer lautstark und medienwirksam zu Wort. Beflügelt durch die Erfolge von "Friday for Future" und der Proteste beim "Tagebau Garzweiler" glaubt eine Gruppierung, die sich sinnigerweise "Sand im Getriebe" nennt, mit der IAA in Frankfurt ein internationale Bühne mit weltweiter Aufmerksamkeit gefunden zu haben. Auf "facebook" begründen diese selbsternannten Retter der globalen Umwelt ihre sicherlich nicht nur gewaltfreien Aktionen sehr moralisch mit erhobenen Zeigefinger. Dabei war der Individualverkehr noch nie so umweltfreundlich wie heute. Im Zuge des "Downsizing" verbrauchen unsere Autos immer weniger Kraftstoff, Katalysatoren und AdBlue haben den Vorwurf Dreckschleuder entkräftet. Alle deutschen Hersteller, VW vorneweg, bekennen sich zum Elektroauto und sind dabei, eine ganze Flotte von E-Autos aus dem Boden zu stampfen. Das diesjährige Motto der IAA "Driving Tomorrow" passt hier genau ins Bild. Der Umweltschutz könnte doch seinen Triumph feiern. Aber wahrscheinlich geht es gar nicht um das saubere Auto. Auch E-Autos sind für die Aktivisten keine Lösung, sie wären nur geringfügig ökologischer. Letztlich soll der Individualverkehr weitestgehend abgeschafft und durch öffentliche Verkehrsmittel bzw. das Fahrrad ersetzt werden. Vorher gibt es wahrscheinlich keine Ruhe. Eine traurige Zukunft.





 

 




Gerald Balser

Gerald Balser

Oktober 2016


Ich kaufe mir ein E-Auto!

VW ID.3 Quelle: VW AG


Sollte man sich bereits heute ein E-Auto kaufen?

Audi e-tron Quelle: AUDI AG


Setzt die Umweltpolitik unseren Wohlstand aufs Spiel?



IAA-Rückblick: Totgesagte leben länger!

 


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