FAHRZEUGKLASSEN

Für die Einteilung von PKW in Klassen gibt es keine verbindliche Norm. Jedes Land kann nach seinen eigenen Vorstellungen vorgehen. Am bekanntesten sind die Einteilungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (Segmente), des US-Marktes und der EU-Kommission. Traditionell spielen die Abmessungen (Größe) eines Fahrzeuges eine maßgebliche Rolle, vor allem die Länge.


Die Vorstellungen darüber, was beim Automobil groß bzw. klein ist, sind dem Wandel unterworfen. Auf dem deutschen Automobilmarkt existiert bereits seit Jahren ein Trend zu in Länge, Breite und Höhe größeren Fahrzeugen. Erleichtert wurde diese Entwicklung mit der Einführung des modularen Baukastens. Zum Beispiel liegen die Abmessungen des aktuellen VW Polo über denen des ursprünglichen VW Golf. Eine rasante Entwicklung genommen haben insbesondere die Fahrzeuge der Mittelklasse. So zählen die großen Limousinen , wie z. B. Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse, heute zur Oberklasse, sogar der Opel Insigna und der VW Arteon. Dem Trend folgend, sind inzwischen viele Limousinen und vor allem Kombis der Kompaktklasse in die Mittelklasse aufgestiegen. Die großen Limousinen der Oberklasse sind zwar kaum in der Länge, dafür umso mehr in der Breite gewachsen, was das Einparken in älteren Parkhäusern nicht gerade einfach macht. Da die Größenunterschiede dieser recht teuren Luxusmodelle,  z. B. des Audi A8, zu den neuen Modellen der Oberklasse deutlich geschrumpft sind, spielt für die Einordnung folglich nicht mehr die Länge, sondern der Preis des Fahrzeugs die entscheidende Rolle. Diese Fahrzeuge gehören heute zur neuen Luxusklasse.


Eine Klassifizierung war so lange problemlos, als es nur um Limousinen und Kombis ging. Mit dem Auftritt neuer Karosserievarianten - zunächst Sportwagen bzw. Cabriolet und in jüngster Zeit Van, SUV und Crossover - wurde die Einordnung schwierig. Das KBA löste das Problem, indem es die Karosserievarianten Sportwagen & Co. zu einer eigenen KLasse (heißt beim KBA Segment) erklärte und die Fahrzeugklassen von 6 auf insgesamt 12 verdoppelte. Mit Wohnmobil und Sonstigen wären es sogar 14 Klassen.


Hier ein Vergleich der Klassifizierung nach KBA und "Automobilmarkt Deutschland":

Segmente

nach

KBA

Beispiele
KBA

Fahrzeugklassen

nach

Automobilmarkt Deutschland

Minis

Fiat 500

Kleinstklasse

Kleinwagen

VW Polo

Kleinklasse

Kompaktklasse

VW Golf

Kompaktklasse

Mittelklasse

VW Passat

Mittelklasse

Obere Mittelklasse

Audi A6

Oberklasse

Oberklasse

BMW 7er

Luxusklasse

SUVs

VW T-Roc

 

Geländewagen

VW Tiguan


Sportwagen

Porsche 911


Mini-Vans

Mercedes B-Klasse


Großraum-Vans

VW Touran


Utilities

VW Transporter


Wohnmobile

Fiat Ducato



Fahrzeugklassen nach Automobilmarkt Deutschland


Bei "Automobilmarkt Deutschland" erfolgt die Klassifizierung aller Autos grundsätzlich nach der Fahrzeuglänge. Somit kann formal eine Veränderung der Fahrzeuglänge um einen einzigen Zentimeter das betreffende Auto in eine höhere bzw. niedrigere Fahrzeugklasse befördern. Dies gilt so aber nicht für eine Betrachtung hinsichtlich des Wettbewerbs zwischen den Modellen. Von diesem Prinzip wird allerdings beim Coupé/Cabriolet und bei Luxusautos abgewichen, da hier nicht die Abmessungen, sondern der Grundmodellpreis die entscheidende Rolle spielt. Eine Extrarolle spielt in diesem Zusammenhang auch die Kombilimousine, die ja nicht nur durch ihr kombihaftes Erscheinungsbild, sondern auch durch eine besonders kompakte Bauweise gekennzeichnet ist. Deshalb erfolgt ihre Einordnung in die Klassen früher. Zum Beispiel zählt die Kombilimousine ab 3,90 m bereits zur Kleinklasse, alle anderen Karosserievarianten erst ab 4,20 m. Außerdem endet die Kombilimousine mit erreichen der Kompaktklasse.







Klassen

Nr.

Klassen

Bezeichnung

Kombi-

limousine

 

 

 

Limousine

Kombi

SUV

Van

Coupé/Cabrio

1

Kleinstklasse

 bis 3,90 m

 -

-

 -

2

Kleinklasse

3,90  - 4,20 m

  -

bis 4,20 m

-

3

Kompaktklasse

 4,20  - 4,40 m

4,40  - 4,60 m

4,20  - 4,60 m

bis 30.000 €

4

Mittelklasse

-

4,60  - 4,85 m

4,60  - 4,85 m

30.000-50.000 €

5

Oberklasse

-

 ab 4,85 m

ab 4,85 m

50.000-80.000 €

6

Luxusklasse

-

ab 80.000 €

-

ab 80.000 €









Kleinstklasse

In dieser Klasse findet man  auschließlich die Kombilimousine.


Kleinklasse

Auch für diese Klasse typisch ist die kombihafte Karosserie. SUV und Van werden in diesem recht kompakten Segment immer beliebter. Auch in dieser Klasse sind Coupés bzw. Cabrios nicht vertreten.


Kompaktklasse

Der deutsche Automobilmarkt wird beherrscht von der Kompaktklasse. Unumstrittener Marktführer der Kompaktklasse ist der VW Golf. Daher wird zum Teil auch von der Golf-Klasse gesprochen. In der Kompaktklasse gibt es eine Art Marktaufteilung. In der unteren Hälfte der Kompaktklasse befindet sich der Großteil der Kombilimousinen mit dem kurzen Steilheck (Kompaktwagen) und in der oberen Hälfte alle anderen Karosserievarianten. Die Stufen- bzw. Fließhecklimousine ist in dieser Klasse aber eher die Ausnahme, befindet sich jedoch im Aufwind.


Inzwischen ist die Kompaktklasse in Bewegung geraten. Bei dem anhaltenden Trend zur Modellvergrößerung wurde der Segmentführer VW Golf geradezu abgehängt. Er ist trotz der stetigen Verlängerung seiner Karosserie von ursprünglich 3,71 m auf heute 4,26 m einer der Kleinsten in seiner Klasse. Dagegen befinden sich einige Konkurrenten, wie z. B. die neue Mercedes A-Klasse bzw. der Opel Astra, der Renault Megane, der Mazda 3, der Honda Civic und der DS 5 mit den Längen-Abmessungen von bis zu 4,50 m fast auf Augenhöhe mit Kompaktlimousinenen und liegen sogar dicht an der Mittelklasse. Diese Wagen wirken mit ihrem fast Fließheck gar nicht mehr kompakt, sondern sind zumeist sportlich gestreckt und erinnern eher an ein Sportcoupé.


Mittelklasse

In der Mittelklasse sind 5-Türer Fließheck-Limousinen (Fastback). Viele Hersteller nutzen die Spanne von immerhin 30 cm und bieten in der unter Hälfte der Mittelklasse sportliche, eher kompakte und in der oberen Hälfte sehr geräumige, familientaugliche Limousinen an. Kombis im unteren Bereich sind zumeist Aufsteiger auf Basis einer Kombilimousine aus der Kompaktklasse.


Oberklasse
In der  Oberklasse wird die Luft für Anbieter recht dünn und die Einordnung der hochwertigen und zum Teil sehr teuren Fahrzeuge ist recht schwer. Die Einordnung des Kleinbusses als Variante des Van in die Oberklasse ist zum Teil problematisch, aber vertretbar.


Luxusklasse

Die Luxusklasse ist typisch für Limousinen und Sportwagen. Lediglich Porsche macht mit dem Luxuskombi Panamera Sport Turismo eine Ausnahme.



Die formale Trennung nach Klassen taugt nicht für eine Wettbewerbsbetrachtung. Ein direkter Wettbewerb ist auch zwischen Autos möglich, die zwar unterschiedlichen Klassen angehören, aber in der Länge tatsächlich nur wenige cm auseinander liegen. Auch der Fahrzeugpreis spielt beim Wettbewerb eine Rolle. Die schon frühe Erkenntnis in der Automobilindustrie, dass nicht die Abmessungen eines Automobils  seinen Preis bestimmen, sondern die Art und der Umfang der eingebauten Technik, wird heute besonders deutlich. Inzwischen bieten die Hersteller neueste und feinste Technik, die vor wenigen Jahren noch den Oberklassemodellen vorbehalten war, selbst in Kleinwagen an. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn ein sehr umfangreich ausgestattetes und technisch hochwertiges kompaktes Auto einen ähnlich hohen Preis hat, wie eine deutlich größere, aber sparsamer ausgestattete Limousine der Mittelklasse. Umgekehrt muss ein im Radstand verlängerte Variante nicht zwangsläufig sehr viel teurer kalkuliert werden. Paradebespiel hierfür sind die gestreckten Vans und SUVs mit dem Zusatz Maxi, Grand, usw. Sowohl für den Kunden als auch für die Marketingstrategen der Hersteller, aber auch für die Autojournalisten wird es immer schwieriger, den Bereich der direkten Konkurrenten eines Fahrzeuges einzugrenzen. Dies führt manchmal zu verwunderlichen Vergleichstests in den Automobilzeitschriften.




 





 









 

 




Gerald Balser

Gerald Balser

Oktober 2016


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