611138

 Aufrufe

seit 15. 09.16

 

 



Sollte man sich bereits heute ein E-Auto kaufen?

Gerald Balser, 8. Oktober 2019

Update: 4. Oktober 2020

 

Sie interessieren sich für ein E-Auto? Dann sollten Sie mit der Bestellung nicht allzu lange warten, denn nicht zuletzt wegen der Umweltprämie in Höhe von 9.000 bis 10.000 € hat der Run auf vollelektrische Autos bereits begonnen. Bestellungen des VW e-up!, des Skoda Citigo i.V. und des Seat Mii electric werden wegen der übergroßen Nachfrage schon nicht mehr angenommen. Zurzeit profitieren vor allem ausländische Anbieter von E-Autos, in erster Linie, weil sie lieferfähig sind. Die deutschen Hersteller haben bis vor kurzem an den Erfolg des E-Autos nicht geglaubt. Der vollelektrische VW ID. 3 (Gegenstück zum Golf) steht zwar bereits zur Besichtigung bei den VW-Händlern, die ersten in Zwickau gebauten Fahrzeuge wurden auch schon ausgeliefert, aber die Produktionsmaschinerie nimmt nur schleppend Fahrt auf.


VW ID.4 vor der Brooklyn Bridge in New York


Das Gegenstück zum VW Tiguan, der ID.4, erfuhr vor wenigen Tagen in Brooklyn, New York seine Weltpremiere und kann seitdem beim VW-Händler bestellt werden. Bis zur Auslieferung kann es aber noch lange dauern. Schon tauchen die ersten Bilder des nächsten E-Autos von VW, der Coupé-Version des ID.4, auf. Es wäre schön, wenn VW bei der Produktion und Auslieferung das gleiche Tempo wie bei der Ankündigung vorlegen könnte.


Der Großteil der Kunden dürfte sich von dem überraschenden Hype kaum beeindrucken lassen. Die meisten haben immer noch die vielen Nachteile des E-Autos im Hinterkopf gespeichert: zu teuer, zu kurze Reichweiten, zu lange Aufladezeiten, fehlende Infrastruktur. Das war einmal. Die Autoindustrie hat in kürzester Zeit einen großen technologischen Sprung geschafft. Zwar hat der amerikanische E-Pionier Tesla hinsichtlich Reichweite, Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung immer noch die Nase deutlich vorn, der neue VW ID.3 z. B. bietet aber schon Reichweiten zwischen 330 und 510 km. Die Höchstgeschwindigkeit hat VW auf 160 km/h begrenzt, damit bei höherem Tempo sich die Batterie nicht zu schnell entlädt. Im Gegensatz zum Benziner spielt beim E-Auto die Motorleistung keine entscheidende Rolle mehr, da der hohe Drehmoment des E-Motors für genügend Beschleunigung sorgt.

 

Im Vergleich zu Verbrennern sind E-Autos richtig wartungsarm und müssten wegen der wenigen Teile auch in der Anschaffung eigentlich billiger sein. Wenn nur die teure Batterie nicht wäre. Aber auch deren Preise fallen ständig. Die Leistungsfähigkeit der Schnellladesäulen nimmt ebenfalls permanent zu. VW hat inzwischen eine mobile Schnellladesäule mit 360 kWh entwickelt und als Pilotprojekt in Wolfsburg gestartet. Die Ladezeit halbiert sich von 40 auf 20 Minuten.


Die mobile Powerbank von VW


Die Anzahl der Ladesäulen insgesamt nimmt kontinuierlich zu. Das ist auch kaum verwunderlich, denn die Installation von Ladestationen ist denkbar einfach und im Vergleich zu Benzinzapfsäulen sehr preiswert. Anders als beim aufwendigen Bau von Tankstellen, kann überall dort, wo es Strom gibt, ohne großen Aufwand eine Station installiert werden, auch zu Hause (wall box), an der Straßenlaterne, auf Parkplätzen von Supermärkten, Baumärkten, Malls und auch Hotels. Dort wird der Strom sogar kostenlos als Service angeboten. Selbst eine mobile Aufladung bei Veranstaltungen ist möglich. Bei einem dichten Ladenetz erscheint mir das Aufladen mit Strom komfortabler als das heutige Auftanken mit Benzin zu sein, denn man muss sich zukünftig keine Tankstelle suchen und beim Aufladen nicht anwesend sein.


Sehr anschaulich erläutern die Hersteller diese Vorteile auf ihrer Website. Stellvertretend hier das Beispiel von VW (Text und Bilder der VW AG):


Zu Hause auftanken

Ihr Elektroauto lädt, während Sie schlafen.

Stellen Sie sich vor, Sie steigen morgens in Ihr Elektrofahrzeug und starten voller Energie in den Tag. Während Sie sich über Nacht ausgeruht haben, hat sich Ihr Auto nämlich auch aufgeladen. Alles, was Sie hierfür brauchen, ist ein optionales Netzladekabel. Es ermöglicht Ihnen das Aufladen an jeder Haushalts-/Schuko-Steckdose. 

Die Tankstelle im eigenen Haus

  1. Laden an der Steckdose: Laden Sie Ihr Elektroauto zu Hause, ist das einfacher als Sie denken. Sie stecken das Ladekabel einfach in die Steckdose und den Ladestecker in Ihr Fahrzeug. Schließen Sie dann mit dem Fahrzeugschlüssel Ihr Auto ab, beginnt sofort der Ladevorgang.

  2. Laden über die Wallbox: Wenn Sie ein eigenes Haus mit Garage oder Carport haben, ist es am einfachsten, eine optionale Wallbox zu installieren. Der Ladevorgang ist genauso einfach, aber viel komfortabler und schneller als über die Haushalts-/Schuko-Steckdose: Einfach den Stecker entnehmen, einstecken, Auto abschließen, wieder entriegeln – fertig. Die Energie wird natürlich dem Hausnetz entnommen und wie üblich über Ihren Stromanbieter abgerechnet. Bequemer und schneller, so wie Sie es wollen.



Wenn Sie kein eigenes Haus haben, sondern Mieter oder Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft sind und auf der Straße vor dem Haus parken, erscheint das Laden zunächst schwieriger, denn eine öffentliche Ladeinfrastruktur ist sicherlich noch nicht in allen Wohnvierteln vorhanden. Am einfachsten ist es deshalb, bei Ihrem Arbeitgeber nachzuladen, sofern dieser eine entsprechende Ladeinfrastruktur auf den Parkplätzen zur Verfügung stellt. Der Vorteil hierbei ist, dass Sie als durchschnittlicher Pendler (Zum Beispiel bei einer Gesamtstrecke von ca. 50 km am Tag) nur einmal pro Woche nachladen müssen. Das können Sie am besten während der Arbeitszeit am Vor- oder Nachmittag tun.


Sie sind in einer Wohnungseigentümergemeinschaft mit eigener Garage? Dann brauchen Sie im Moment noch den Mehrheitsbeschluss der Gemeinschaft, damit Sie eine Wallbox installieren dürfen. Aber auch hier ist der Wandel deutlich spürbar. Schließlich prüft der Gesetzgeber gerade die Rechtslage, um Änderungen auf den Weg zu bringen, die es Ihnen erleichtern, die Vorteile von Lademöglichkeiten in Gemeinschaftsanlagen zu nutzen.



Laden am Arbeitsplatz


Ihr Elektroauto lädt, während Sie arbeiten.

Immer mehr Arbeitgeber beschäftigen sich mit einer schrittweisen Elektrifizierung ihres Fuhrparks und ihrer Dienstwagen. Viele Arbeitgeber bauen eine Ladeinfrastruktur auf und bieten ihren Mitarbeitern inzwischen die Möglichkeit, ihr Elektro- oder Plug-In-Hybrid-Fahrzeug an einer betriebseigenen Station zu laden. Damit verändert sich die Mobilität. Stellt Ihr Arbeitgeber bereits Ladestationen auf dem Firmenparkplatz zur Verfügung? Dann müssen Sie als Kurzstreckenpendler mit ca. 50 km am Tag Ihr Elektroauto nur einmal die Woche laden. Und am besten machen Sie das während der Arbeitszeit. 



Shoppen während das Auto lädt



Erledigen Sie ruhig Ihre Einkäufe. Ihr Auto tankt schon mal Strom.

Zeit ist heutzutage wertvoll. Warum nutzen Sie sie nicht während des Ladevorgangs, um Ihre Erledigungen zu machen? Zum Beispiel die Einkäufe. Immer mehr Supermärkte, Shopping-Malls und auch Einrichtungshäuser bauen ihre Ladeinfrastruktur sukzessive auf. So können Sie mit dem teilweise sogar kostenlosen Nachladen Ihres Elektroautos nicht nur den täglichen Ladebedarf decken, sondern die Zeit während des Ladevorgangs auch effektiv nutzen.


Nächste Ausfahrt zum Aufladen raus


An der Autobahn

Als Langstreckenfahrer müssen Sie Ihr Elektrofahrzeug an der Autobahn aufladen. Die gute Nachricht ist, dass sich gerade hier innerhalb der nächsten 2 Jahre viel verändern wird. Die Schnellladeinfrastruktur wird auf- und ausgebaut. Unter anderem engagiert sich der Volkswagen Konzern als Teil des mit anderen Automobilherstellern gegründeten Gemeinschaftsunternehmens IONITY beim Aufbau einer solchen Ladeinfrastruktur. Und auch die Stromversorger investieren verstärkt in den Ausbau von Schnellladestationen an den Autobahnen, sodass schon in absehbarer Zeit an einer Vielzahl der Autobahnraststätte eine entsprechende Lademöglichkeit bereitstehen wird.




We Charge - der neue Ladeservice von Volkswagen


Über Kurz- oder Langstrecke Ihr perfekter Begleiter

Sie möchten entspannt einen Ausflug machen oder in den Urlaub fahren? Kein Problem. Denn We Charge ist, über die We Connect ID. App 1 von Volkswagen, Ihre Verbindung zu einem dichten und zuverlässigen Ladenetzwerk – und damit zu einem sorgenfreien Fahrerlebnis. Europaweit. Mit We Charge können Sie Ihre Routen bequem entlang des öffentlichen Ladesäulennetzes planen. Idealerweise auch unter Berücksichtigung der neuen Schnellladesäulen von IONITY, die europaweit das schnelle Aufladen Ihres Elektrofahrzeugs ermöglichen. Gleichzeitig sorgen einfaches Handling beim Laden und ein transparenter Bezahlvorgang dafür, dass Sie immer sicher ans Ziel kommen.



We Charge – wer plant, gewinnt

Terminstress, Ablenkung durch Kinder oder laute Dauerbaustelle – es gibt viele Gründe, den Überblick über den aktuellen Ladezustand zu verlieren. Zum Glück behält We Charge jederzeit die Lademöglichkeiten für Sie im Auge und zeigt Ihnen, welche Stationen gerade verfügbar sind. Die HPC-Ladepunkte (High-Power-Charging) von IONITY, werden für Sie extra hervorgehoben. So sind selbst Langstreckenfahrten ein Klacks – zumindest ladetechnisch.



Zurzeit werden folgende reine Elektro-Modelle auf dem deutschen Markt angeboten:

Modell

Leistung

(PS)

Verbrauch

(kWh)

V-max

(km/h)

Beschleu-nigung

(s)

Li-Ion
(KWh)

Reich-weite

(km)

Kleinstklasse







Fiat 500 electro

118

13,3

150

9,0

33,0

320

Mini Cooper SE

184

14,6

150

7,3

33,0

270

Smart Fortwo EQ

82

12,9

130

11,5

17,6

160

Smart Forfour EQ

82

13,1

130

12,7

17,6

155

Seat Mii electric

83

k.A.

130

12,3

36,8

260

Skoda Citigo iV.

83

k.A.

130

12,5

36,8

265

VW e-up!

83

12,7

130

11,9

32,3

260

Kleinklasse

 






BMW i3

150

13,1

150

7,3

42,2

310

DS 3 Crossback E-Tense

136

17,8

150

9,1

50,0

320

e-Honda

150

17,2

145

9,0

35,5

222

Hyundai Kona Elektro

136

13,9

155

9,7

39,2

312

Kia Niro EV

136

15,3

155

9,8

39,2

289

Kia e-Soul

136

15,6

157

9,9

39,2

276

Opel Corsa-e

136

17,0

150

8,1

50,0

330

Peugeot e-208

136

16,9

150

8,1

50,0

340

Peugeot e-2008

136

17,8

150

9,0

50,0

320

Renault Zoe z.E.

92

17,9

135

13,2

41,0

168

Kompaktklasse







Hyundai Ioniq Elektro

136

12,3

165

9,9

28,0

280

Nissan Leaf

150

20,6

157

7,9

40,0

270

VW ID.3

170

13,8

180

7,5

45,0

330

Mittelklasse







Ford Mustang Mach-E

285

19,5

185

3,7

90,8

610

Jaguar i-Pace

320

23,0

180

6,4

90,0

470

Mercedes EQC

408

19,7

180

5,1

80,0

471

Tesla Model 3

325

14,3

225

5,6

58

409

Volvo Polestar 2

408

k.A.

k.A.

4,7

78

500

VW ID.4

306

17,2

160

8,5

77

520

Ober-/Luxusklasse







Audi e-tron

408

22,6

200

5,8

95,0

417

Tesla Model S

610

22,0

250

3,8

100,0

610

Tesla Model X

611

k.A.

261

2,8

100,0

487


Eine Großzahl der Kunden werden auch die besten Argumente für das E-Auto nicht überzeugen. Sie mögen das konzeptionelle Design von E-Autos nicht. Die Möglichkeit, Autos auf kleiner Fläche mit einem großen Radstand und kurzen Überhängen, also mit kurzer Schnauze (Motorraum), bauen zu können, halten sie eher für einen Nachteil, weil es die Autos aus ihrer Sicht hässlich macht. Aber die Autoindustrie verfolgt keineswegs die Ideologie der Grünen, die den Verbrenner schnellstmöglich verbieten wollen. VW & Co. gehen davon aus, dass beide Konzepte noch lange parallel angeboten und verkauft werden.


Für diejenigen, die den großen Schritt zum E-Auto nicht wagen, bieten die Hersteller einen Kompromiss an: den Plug-in-Hybriden (PHEV). Mit diesem Auto kauft man zunächst einmal einen ganz normalen Benziner bzw. Diesel, bei dem allerdings zusätzlich ein Elektromotor oder gar zwei Elektromotoren eingebaut sind. Dadurch kann man es sich leisten, den Verbrennungsmotor bei gleicher Systemleistung zu verkleinern, was wiederum zu einem deutlich verringerten Kraftstoffverbrauch und zu weniger Emissionen führt. Darüber hinaus kann dieses Fahrzeug im Stadtbereich rein elektrisch gefahren werden. Aufgeladen wird der Plug-in-Hybrid – wie es schon sein Name ankündigt – genau wie ein reines E-Auto von außen mit einem Stromkabel. Versüßt wird die Kaufentscheidung mit einer 6.750 €-Prämie von Staat und Hersteller.



 




E-Mail