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Handwerk: Opfer des Schulsystems
Gerald Balser, 16. August 2022

Deutschland ist stolz auf sein Schulsystem, insbesondere auf sein Gymnasium. In den 60er Jahren führte der Weg zum Abitur (Allgemeine Hochschulreife) ausschließlich über das Gymnasium. Es war eine Eliteschule, an der nur ca. 3 – 5 % eines Jahrganges ihr Abitur machten. Bis auf ganz wenige Ausnahmen begannen die Abiturienten nach der Schule eine akademische Ausbildung. Akademiker waren knapp und wurden gesucht. Noten spielten nicht die große Rolle. Mit dem Studium ließ man sich auch Zeit. Die Verweildauer lag im Schnitt deutlich über der Regelstudienzeit.  Es gab aber nur wenige Abbrecher.

10 – 15 % eines Jahrgangs bekamen die Mittlere Reife. Ein höherer Abschluss war auch für anspruchsvolle Berufe nicht nötig. Den weitaus höchsten Anteil eines Jahrgangs stellten die Abgänger der Volksschule (die Schule des Volkes). Der Volksschulabschluss war der normale, übliche Abschluss. Damals bekam ein guter Volksschüler sogar einen Ausbildungsplatz bei Banken und Versicherungen. Für „Schulversager“ und Lernbehinderte gab es die „Hilfsschule“.  Ein Schüler ohne Schulabschluss (keine Seltenheit) konnte auf eine Berufsausbildung nicht hoffen. Die Ausbildungsbetriebe konnten sich die Zurückhaltung leisten. Sie litten nicht an mangelnden Bewerbungen. Das Handwerk hatte goldenen Boden. Der Traumberuf des jungen Mannes war der Kfz-Mechaniker, der jungen Dame die Friseurin.

Die moderne Pädagogik an deutschen Hochschulen wurde in den 70er Jahren aus den USA importiert. Alle Blicke waren gen Westen gerichtet. Amerikanische Fachausdrücke beherrschten die Wissenschaftssprache.  In den USA machten bereits damals über 70 % eines Jahrgangs den High School Abschluss. Diese Quote wollten unsere Pädagogen beim Abitur auch erreichen. Man hielt den High School Abschluss für das amerikanische Abitur. Das allgemeine Bildungsniveau in Deutschland sollte deutlich angehoben werden. Es startete eine Bildungsrevolution. Das Gymnasium mit der Weichenstellung am Ende des 4. Schuljahres bekam Konkurrenz von der Gesamtschule, integriert bzw. kooperativ. Die Reformer wollten mit der Integration das dreigliedrige deutsche Schulsystem beenden: Von der 1. bis zur 13. Klasse an einer Schule. Die leistungsorientierte Differenzierung sollte durch besondere Kurse gelingen. Diese Lösung war politisch äußerst umstritten. Die kooperative Gesamtschule mit ihren Haupt-, Mittel- und Oberstufenschulen sollte das dreigliedrige System retten, denn die Eltern stimmten mit den Anmeldungen ihrer Kinder zunehmend für das Gymnasium ab. Allerdings variieren die Zugänge, je nach Bundesland, zwischen nach der 4. Klasse und nach der 6. Klasse. Da in Europa und den USA die Oberschüler zumeist bereits nach der 12. Klasse mit 18 Jahren die Schule verlassen, wollte man in Deutschland nachziehen und führte G12 ein. Die Reform fiel leider zu halbherzig aus. Anstatt die Gelegenheit für ein „Ausmisten“ zu nutzen, wurde die gleiche Menge an Unterrichtsstoff in die verkürzte Zeit übernommen. Hatte man vorher bereits das Gefühl einer Überfrachtung der Lernziele, kam nun eine Überforderung vieler Schüler hinzu. G12 mutierte zur Eliteanstalt.

Die Schulpolitik wurde zum Mittelpunkt der Landespolitik und des Elterninteresses mit Ausnahme der beruflichen Bildung. Für die interessierte sich niemand. Dabei war die duale Berufsausbildung, also die gleichzeitige Ausbildung in Betrieb und Berufsschule international ein Vorzeigemodell. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen nahm die Berufspädagogik als Teildisziplin der Pädagogik richtig Fahrt auf und wurde zum Vorreiter der Idee des handlungsorientierten, schülerzentrierten Unterrichts. An der Praxis orientiert und ausgestattet mit Lehrern aus der beruflichen Praxis digitalisierten die beruflichen Schulen Verwaltung und Unterricht bereits vor über 20 Jahren. Die Idee einer selbständigen Schule mit eigenem Budget und eigenständiger Personalentwicklung und Personalauswahl wurde zuerst an beruflichen Schulen umgesetzt. Für die sehr große Zahl an „Lehrlingen“ wurden neue, moderne und - im gewerblichen Bereich - auch sehr teure Berufsschulen gebaut.

Warum blieb das berufliche Schulwesen ohne die verdiente große Anerkennung? Das berufliche Schulsystem war und ist auch noch heute die große Unbekannte! Die meisten Entscheidungsträger haben dieses System nicht selbst erfahren. Als Nachtlektüre zum sich Einlesen eignet sich die Vielfältigkeit und Kompliziertheit des beruflichen Schulsystems nicht. Eine Kreisberufsschule z.B. hat sehr viele unterschiedliche Schulformen und sehr viele Ausbildungsberufe. Der Laie müsste sich sehr hart einarbeiten. Dann lieber nicht. Leider widerspiegelt sich diese Unkenntnis auch im Kultusministerium, wo das berufliche Schulwesen in dem allgemeinen Schulwesen eingeordnet ist und somit „unter ferner liefen“ keinen schlagkräftigen Fürsprecher besitzt.

Gebraucht wird das berufliche Schulwesen als Reparaturbetrieb des allgemeinen Schulwesens: Hauptschulabschluss im Berufsgrundschuljahr (BGJ), Mittlere Reife in der Berufsfachschule (KBFS), Fachhochschulreife in der Fachoberschule (FO) oder inkl. einer Berufsausbildung in der höheren Berufsfachschule (HBF), Abitur im Beruflichen Gymnasium (BG). Leider wählen die meisten Eltern diesen Parallelweg nicht aus Überzeugung, sondern weil ihren Kindern der Weg innerhalb der allgemeinbildenden Schule verwehrt ist. Die Unwissenheit geht so weit, dass die Ansicht weit verbreitet ist, im BG bekäme man nicht die allgemeine Hochschulreife, man könne nur das Fachabitur und in der FO bzw. HBF anstatt einer allgemeinen Fachhochschulreife nur die begrenzte Fachschulreife erwerben. Das Zentralabitur ist für alle Abiturienten gleich und natürlich kann der BG-Abiturient Medizin studieren. Bei einer eigenen Praxis sind wirtschaftliche Kenntnisse sogar von Vorteil.

Die Laufbahnberatung an den allgemeinen Schulen kennt nur ein Bildungsziel und das heißt Abitur. Der Weg dorthin führt über das Gymnasium bzw. die Gesamtschule. Bei den Eltern rennt die allgemeinbildende Schule mit ihrer Empfehlung offene Türen ein. Dabei kann man nur jedem Schüler, der schon früh einen Berufswunsch bzw. eine Vorstellung davon hat, was er einmal studieren will, raten, sich an einer entsprechenden beruflichen Schule anzumelden. Er spart dadurch nicht nur wertvolle Zeit, sondern besitzt bereits entsprechende Vorkenntnisse. Außerdem weiß er bereits, was ihn erwartet. Ein Abbruch des eingetretenen Weges wird unwahrscheinlich bzw. er geht erst gar nicht in diese Richtung. Mit Hilfe der beruflichen Bildung wird unser vermeintlich undurchlässiges Schulsystem doch noch durchlässig.

Die Bildungsexplosion in Deutschland war sehr erfolgreich. Mit einer Quote von 52 % der Studienberechtigten (38 % Allg. Hochschulreife, 14 % Allg. Fachhochschulreife) nähern wir uns dem amerikanischen Vorbild High School. Die Abitur-Durchschnittsnote in Hessen liegt aktuell bei 2,23.

Was hat dies alles mit dem Automobil zu tun? Sehr viel. Das Kfz-Handwerk mit den Traum-Ausbildungsbetrieben von gestern bekommt heute nicht ausrechend Nachwuchs. Der Abiturient, aber auch der Abgänger mit Realschulabschluss will nicht Kfz-Mechaniker werden, auch wenn der sich heute Mechatroniker nennen darf. Bei den vielen  Abgängern mit einem höheren Bildungsabschluss bleiben für das Handwerk  zu wenige Schulabgänger übrig. Dagegen quellen die Universitäten und Hochschulen über.


 




 


 


 

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