Autofreie Innenstadt

Gerald Balser, 13. Februar 2020

 

Mit dem immer größer werdenden PKW-Bestand und dem entsprechend höheren Verkehrsaufkommen, war es eigentlich keine Überraschung, dass unsere Städte immer mehr im Verkehrschaos versinken und die Emissionen unsere Luft in den Innenstädten zunehmend verpesten. Allerdings die emissionsärmeren Motoren der neusten Modellgeneration zeigen Wirkung und haben nach den neuesten Messungen zu einer Kehrtwende geführt. Für eine Entwarnung ist es jedoch viel zu früh.

 

In Hamburg wetteifern die Politiker der Grünen mit der Initiative „Klimawandel jetzt“, die Innenstadt emissionsfrei zu bekommen. Die jüngste Forderung der Initiative ist kurz vor der Bürgerschaftswahl „Autos raus aus der Innenstadt“. Gemeint ist die recht große Fläche zwischen Holstenwall, Lombardsbrücke und Deichtorplatz. Die soll für Autos, Lastwagen und Motorräder gesperrt werden. Ausnahmen soll es lediglich für den Lieferverkehr, Anwohner, ärztliches Personal Taxis und Busse geben.

 

Die Forderung kommt bei vielen Bürgern ganz gut an, allerdings nicht beim betroffenen Einzelhandel. Der fürchtet inzwischen um seine Existenz, zumal Deutschlands Einzelhandel in den Innenstädten durch die Konkurrenz der Shopping Malls und des Onlinehandels gehörig unter Druck geraten ist. Die Malls bieten durch ihre Randlage ausreichend Parkplätze und der Onlinehandel kostenfreie Lieferung ins Haus. Erste Auswirkungen sind bereits zu spüren und sogar zu sehen. Die Käufermassen in den Fußgängerzonen sind inzwischen deutlich ausgedünnt. Bei den Läden gibt es eine starke Fluktuation und sogar vereinzelt Leerstände. Ist die alte, führende Position und die extrem hohe Miete der Lage 1a unter diesen Umständen überhaupt zu halten? Wahrscheinlich nicht.

 

Jede Erschwernis wird daher vom innerstädtischen Einzelhandel als weitere Bedrohung wahrgenommen. Vor allem jene Einzelhändler, die auf der Existenz eines nahen Parkplatzes angewiesen sind, werden autofrei nicht überleben. Natürlich könnte dies auch eine Chance für die Innenstädte werden. Gastronomie und Freizeitangebote könnten bei sinkenden Mieten den weichenden Einzelhandel ersetzten und die Monokultur beenden. Ein wunderbarer Nebeneffekt wäre die Möglichkeit, einer Verödung unserer zumeist sehr schönen Innenstädte an Abenden und Sonntagen auf diese Weise entgegen zu wirken.

 

Die Niederländer sind uns wieder einmal voraus. Der Holländer hat mit autofrei keine Probleme. Das Auto ist zwar nicht ausgesperrt, spielt in den Innenstädten aber sowieso keine Rolle, denn es gibt kaum Parkplätze und wenn, sind die sehr teuer. Der Holländer fährt mit dem Fahrrad in die Innenstadt und dort hat das Fahrrad gegenüber dem Auto  Vorrang. In den Niederlanden sind in den größeren Städten die Geschäfte am Sonntag zumeist von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Sonntagseinkauf wird zum Event für die ganze Familie. Die Innenstadt zum Treffpunkt der Jugend. Die vielen Restaurants, Cafés und Kneipen laden ein zur gemütlichen Rast. Bei schönem Wetter sind Tische auf den schönen Plätzen sehr begehrt. Die grenznahen Städte von Maastricht bis Groningen sind am Sonntag inzwischen auch für Deutsche eine Attraktion. Sie locken zum Shoppen, Bummeln oder den ganz normalen Einkauf.


Wir müssten das Rad eigentlich nicht neu erfinden und könnten uns die Niederlande als Vorbild nehmen. Leider besitzen wir nicht deren Pragmatismus, wir handeln lieber ideologisch. Daher wird die Diskussion zumeist nicht ehrlich geführt. Das Motto der Aktivisten heißt zwar „Autos raus aus der Innenstadt“, gemeint ist aber „weg vom Auto, dem Teufelszeug, hin zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Allheilmittel“. Manche halten dies sogar für einen wichtigen Kulturkampf. Leider kommt niemand auf die Idee, den Bürgern, so wie in Holland, die autofreie Innenstadt richtig schmackhaft zu machen. Unsere Umweltpolitiker wollen lieber im Stile des Obrigkeitsstaates anordnen, mit allen Konsequenzen bei Zuwiderhandeln.

 

 

 


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