Konjunkturprogamm und das Auto

Gerald Balser, 5. Juni 2020

 

Nach langen Verhandlungen ist es endlich geschnürt, das Konjunkturpaket zur Ankurbelung der unter dem Corona-Virus geschundenen Wirtschaft, der Arbeitnehmer und Familien. Potentielle Käufer von neuen Autos werden enttäuscht sein. Der Verbrennungsmotor, an dem bisher unser Wohl und Weh hing und auch noch einige Jahre für unseren allgemeinen Wohlstand sorgen soll und muss, ging bei einem Gesamtvolumen von 130 Milliarden Euro aus umweltpolitischen Gründen leer aus. Das E-Auto soll dagegen zusätzlich zu den bereits spendierten 6.000 Euro mit weiteren 3.000 Euro gefördert werden. Diese Entscheidung hat leider mit einer Unterstützung der deutschen Wirtschaft herzlich wenig zu tun.

 

Bereits vor der Corona-Krise befand sich die Schlüsselindustrie Deutschlands in einer schwierigen Phase des Strukturwandels "Weg vom Verbrenner hin zum E-Auto". Dabei darf man nicht übersehen, verdient werden mussten die bereits investierten vielen Milliarden Euro Entwicklungskosten vom Verbrenner. Unsere Automobilindustrie hätte für die nächsten entscheidenden Jahre viel Ruhe und Sicherheit gebraucht. Nun ist alles anders. Die Zulassungszahlen in den Monaten März, April und Mai haben sich mehr als Halbiert. Hätte es nicht einen vorübergehenden Produktionsstopp gegeben, dann wären die Läger nicht nur voll, sondern würden überquellen. Eine staatliche Kaufprämie hätte helfen können.

 

Die Politik interessiert sich für diese Probleme nicht. Sie hat Visionen und dabei spielt der Verbrennungsmotor keine Rolle mehr, im Gegenteil. Mit nationaler Konjunkturpolitik hat diese Grundeinstellung wenig zu tun. Von der staatlichen Prämie profitieren werden im Automobilbereich all jene Hersteller, die bereits sehr früh auf E-Mobilität gesetzt haben und ein entsprechendes Angebot im Portfolio haben, z. B. die amerikanische Firma Tesla.

Quelle: Tesla Motors


Für VW und die deutschen Autobauer kommt die E-Förderung zu früh. Das vollelektrische Pendant zum Golf, der ID.3 kommt erst im Sommer auf den Markt und der ID.4, ein E-Tiguan, wird erst Ende des Jahres vorgestellt. Die vielen anderen noch später.

Quelle: VW AG


Die wenigen, aktuell angebotenen E-Autos VW e-up!, Opel e-Corsa und BMW i3 sind produktionstechnisch bereits heute ausgelastet. Ergebnis: einerseits werden die Halden der Autos mit Verbrenner  nicht abgebaut und andererseits verpuffen die Fördergelder an den Produktionsengpässen für E-Autos.

Quelle: VW AG, Adam Opel AG, BMW AG


Dem Käufer eines Verbrenners bleibt als Trost allein die vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 befristete Reduzierung der MWSt von 19 % auf 16 %. Als Ankurbelung der gebremsten Nachfrage nach Autos dürfte diese Maßnahme nicht ausreichen. Die deutsche Automobilindustrie wird sich mit eigenen Kaufprämien selbst helfen müssen. Das Konjunkturprogramm könnte man daher eher als eine Bestrafung der deutschen Automobilindustrie für ihre Versäumnisse empfinden.


 


AUTOMOBILMARKT

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Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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