Konjunkturprogamm und das Auto

Teil 2

Gerald Balser, 11. Juni 2020


Bei dem Konjunkturprogramm gigantischen Ausmaßes in Höhe von 130 Milliarden Euro waren die Hoffnungen der deutschen Automobilindustrie hoch. Vergeblich. Wie bekannt, wird der Verkauf des Verbrenners aus umweltpolitischen Überlegungen nicht unterstützt. Stimmt nicht ganz. Von der allgemeinen Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 % auf 16 %, beginnend ab 1. Juli und endend am 31. Dezember 2020, könnte auch das Auto profitieren. Für einen gut ausgestatteten Kompaktwagen muss der Käufer zurzeit ungefähr 35.000 Euro hinblättern. Bei der reduzierten MWSt spart der Käufer immerhin 882 Euro. Unter normalen Umständen würden Hersteller und Handel die staatliche Maßnahme als willkommenes Incentive sehr begrüßen. In Zeiten von riesigen Autohalden reicht die Summe für eine Nachfragebelebung wahrscheinlich nicht aus, dürfte aber groß genug sein, einen geplanten Kauf über den 1. Juli hinaus zu verschieben. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass der Leidensweg für die Branche trotz Konjunkturprogramm weiter gehen wird.


Nur einer reibt sich breit grienend die Hände. Es ist Elon Musk, der quirlige und charismatische CEO des auf den Bau vollelektrischer Autos spezialisierten kalifornischen Herstellers Tesla. E-Autos sind die Gewinner der Corona-Krise. Während die Verbrenner mit über 50 % abgestürzt sind, haben die E-Autos zugelegt. Die Bundesregierung hat dazu beigetragen, dass die als viel zu teuer verschrienen E-Autos durch die üppige staatliche Kaufprämie von 6.000 Euro preislich auf Dieselniveau gedrückt wurden. Als ob dies nicht genug wäre, spendiert das neue Konjunkturprogramm beim Kauf von E-Autos weitere 3.000 Euro. Selbst die teuren Tesla-Autos werden für den Normalbürger nunmehr erschwinglich. So mancher wird sich nun überlegen, ob er nicht anstatt eines politisch ungewollten Verbrenners nicht besser ein hoch gefördertes E-Auto kauft.

           Tesla Model 3                                Elon Musk                                  Tesla Model Y

Quelle: Tesla Motors


Das Konjunkturprogramm hat leider mit einer Unterstützung unserer Schlüsselindustrie herzlich wenig zu tun. Für den Verbrenner könnte das Konjunkturprogramm sogar schädlich werden. Es wirkt eher wie eine Bestrafung der deutschen Automobilindustrie, die viel zu lange am Verbrenner festgehalten habe. Als Folge sehe ich die Autohalden eher wachsen als abnehmen. Zwar gehörte VW zu den ersten deutschen Herstellern, die die politischen Zeichen der Zeit erkannt hatten, die E-Förderung kommt für VW dennoch zu früh. Das vollelektrische Pendant zum Golf, der ID.3 wird erst Ende das Jahres ausgeliefert und der ID.4, ein E-Tiguan, Ende des Jahres vorgestellt. Die vielen anderen E-Autos von VW noch später.


Das einzige aktuell lieferbare reine E-Auto bei VW ist der e-up!. Dessen Produktionskapazitäten sind allerdings sehr beschränkt. Zurecht plant und entwickelt VW nur noch vollelektrische Autos mit dem Modularen Elektro-Baukasten. Der e-up!, ein umgebauter Verbrenner, gilt eher als Auslaufmodell. Dennoch hat VW dieses Auto im laufenden Modelljahr deutlich aufgewertet und sogar im Preis reduziert. Bei einem Listenpreis von rund 22.000 Euro bekommt der Käufer nun einen e-up! mit einer Reichweite von 260 km. Nach Abzug der 9.000 Prämie verbleiben 13.000 Euro und ab dem 1. Juli sogar nur noch 12.672 Euro. Bei diesem Preis für einen „Zweitwagen“ könnte sogar der Verbrenner-Fan schwach werden. Wahrscheinlich werden dadurch aber nicht die Zulassungszahlen, sondern die Lieferfristen für den e-up! deutlich erhöht, denn die Produktion ist auf einen solchen Boom gar nicht vorbereitet.


Geplante Mega-Fabrik von Tesla bei Berlin


VW verfolgt die Strategie, die Entwicklungs-Milliarden für das E-Auto mit dem Verbrenner zu bezahlen. Dafür muss der Ablösungsprozess stetig und langsam erfolgen. Der Umweltpolitik dagegen geht dies nicht schnell genug und sie scheint sich mit dieser Überzeugung in der Regierung durchzusetzen. Damit spielt sie VWs zukünftig größten Rivalen in die Hände. Tesla beeilt sich sehr, die neue Mega-Fabrik bei Berlin in kürzester Zeit aus dem Boden zu stampfen. Bereits im nächsten Jahr will man dort 500.000 E-Autos im Jahr produzieren. Davon kann VW nur träumen. Die planen in Zwickau im nächsten Jahr gerade einmal mit 100.000 E-Autos und wollen mittelfristig 330.000 Stück pro Jahr herstellen. Klingt eher bescheiden. Aber auch BMW mit seinem aufgebesserten i3 und Opel mit dem e-Corsa werden wegen mangelnder Produktionskapazitäten vom Konjunkturprogramm kaum profitieren. Aus der Sicht der Autobranche hat das Konjunkturprogramm den falschen Namen. Die sehen es eher als ein weiteres Programm zur Förderung des E-Autos. Da heute immer noch vor allem ausländische Hersteller E-Autos anbieten, werden viele Millionen und vielleicht sogar Milliarden Euro außer Landes gehen.

 

 

 

 

 Hier die Gewinner der Corona-Krise:

Limousine/Kombi

Modell

Leistung

(PS)

Verbrauch

(kWh)

V-max

(km/h)

Beschleu-

nigung

(s)

Lithium-

Ionen

(kWh)

Reich-

weite

(km)

Preis

(€)

Seat Mii electric

83

14,4

130

12,3

32,3

260

20.650

Skoda Citigo iV

83

12,8

130

12,3

36,8

258

20.950

VW e-up!

83

12,7

130

11,9

32,3

260

21.975

Peugeot e-208

108

108

135

17,5

20,0

20,0

135

135

140

11,4

11,4

9,5

41,0

52,0

52,0

300

342

395

21.900

23.900

27.900

Renault Zoe z.E.

108

108

135

17,5
20,0
20,0

135

135

140

11,4

11,4

9,5

41,0

52,0

52,0

300

395

342

21.900

23.900

27.900

Smart Fortwo EQ

82

12,9

130

11,5

17,6

160

21.940

Smart Forfour EQ

82

13,1

130

12,7

17,6

155

22.600

Opel Corsa-e

136

17,0

150

8,1

50,0

330

29.900

Fiat 500 Elektro

118

k.A.

150

9,0

42,0

320

37.900

Mini Cooper SE

184

14,8

150

7,3

33,0

270

32.500

Honda e

136

154

18,0

20,0

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

35,5

35,5

220

220

33.850

36.850

Kia e-Soul

136

204

15,6

15,7

157

167

9,9

7,9

39,2

64,0

276

452

33.990

37.790

Nissan Leaf

150

217

20,6

20,6

157

157

7,9

7,3

40,0

62,0

270

385

36.800

44.700

Hyundai Ioniq EV

136

13,8

k.A.

k.A.

38,3

311

37.290

BMW i3

170

184

13,1

14,0

150

160

7,3

6,9

42,2

42,2

310

285

39.000

42.600

Opel Ampera-e

204

16,5

150

7,3

60,0

423

42.990

Tesla Model 3

325

440

 510

 14,3

15,0

16,0

225

233

261

5,6

4,6

3,4

55,0

65,0

75,0.

409

560

530

44.500

53.790

59.990

Volvo Polestar2

408

k.A.

k.A.

4,7

78,0

500

58.900


SUV

Modell

Leistung

(PS)

Verbrauch

(kWh)

V-max

(km/h)

Beschleu-

nigung

(s)

Lithium-

Ionen

(kWh)

Reich-

weite

(km)

Preis

(€)

Mazda MX-30

143

k.A.

 k.A.

k.A.

35,5

200

33.990

Hyundai Kona Elektro

136

204

13,9

14,3

155

167

9,7

7,6

39,2

64,0

312

482

34.400

41.400

Peugeot e-2008

136

17,8

150

9,0

50,0

320

35.250

Kia Niro EV

136

204

15,3

15,9

155

167

9,8

7,8

39,2

64,0

289

455

35.290

39.090

DS 3 Crossback E-Tense

136

17,8

150

9,1

50,0

320

38.390

Ford Mustang Mach-E

258

285

16,5

16,5

185

185

8,0

8,0

75,7

99,8

 450

600

46.900

54.475




Bildquellen: BMW AG, Honda Deutschland, Hyundai Motor Deutschland GmbH, Jaguar Land Rover Deutschland GmbH, KIA MOTORS Deutschland GmbH, Daimler AG, NISSAN CENTER EUROPE GmbH, Adam Opel AG, PEUGEOT Deutschland GmbH, Renault Deutschland AG, SEAT Deutschland GmbH, SKODA AUTO Deutschland GmbH, Tesla Motors, Volvo Cars Germany GmbH, VW AG



 

 

 

 

 

 

 

 


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www.automobilmarktdeutschland.de



Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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