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Ich sage nur China, China, China!

Gerald Balser, 20.04.2019

 

Bereits vor 50 Jahre warnte der damalige Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger im Wahlkampf eindringlich vor den Gefahren des kommunistischen Giganten China mit den knappen Worten: „Ich sage nur China, China, China! Geerntet hat er dafür nur Hohn und Spott bzw. wurde als Panikmacher beschimpft. An dieser Grundhaltung hat sich bis heute wenig geändert. Für die einen ist China die größte Gefahr und für die anderen der größte Absatzmarkt. Eines ist aber sicher, inzwischen stellt China auf dem globalen Automobilmarkt die Weichen. Besonders offensichtlich wird diese Bedeutung, wenn es um die nahe Zukunft des Autos geht. China kämpft gegen die Autoabgase, nicht wegen der globalen Klimaerwärmung, sondern weil in den zahlreichen chinesischen Millionenstädten die Passanten wegen des dichten Auto-Smogs kaum die Hand vor den Augen sehen. Aus diesem Grund hat sich die chinesische Regierung für das Elektroauto entschieden und dann wird es dort auch so gemacht, ohne Diskussion.

 

Für die Produkt-Strategie des Weltmarktführers Volkswagen hat diese Entscheidung weitreichende Folgen, denn China ist für VW der mit Abstand größte Absatzmarkt. Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass der Vorstandsvorsitzende des Volkswagenkonzerns Herbert Diess, trotz der zahlreichen Vorteile eines modernen Diesel bzw. Benziners und des überzeugenden Problemüberwinders Wasserstoff mit Brennstoffzelle sehr früh das reine Elektroauto favorisierte. Damit machte er sich nicht nur bei seinen Vorstands-Kollegen von Mercedes und BMW, die so schnell die Flinte nicht ins Korn werfen wollten, unbeliebt. Die neuesten persönlichen Angriffe auf Diess mit dem Vorwurf, zu chinafreundlich zu sein und dabei die Augen vor der Unterdrückung der moslemischen Minderheit der Uiguren zu verschließen, passen ins Bild.

 

Die Entscheidung für den reinen Elektromotor hat allerdings einen Haken. Sie begründet sich auf das absolute Vertrauen, in absehbarer Zeit die immer noch erheblichen Probleme mit dem Akku lösen zu können. Der aktuelle Lithium-Ionen-Akku ist viel zu schwer, zu monströs, zu anfällig und viel zu teuer. Aber nicht die Chinesen, sondern die Amerikaner mit der Firma Tesla haben uns in eine Richtung gedrängt, die für das Massenprodukt Elektroauto zur Sackgasse werden könnte. Der deutsche Kunde staunte von Anfang an über die fantastischen Reichweiten mit denen Tesla sein Model S und später auch sein Model X propagierte. So ein kleiner, unbekannter Hersteller zeigte den deutschen Riesen die lange Nase. Was Tesla natürlich nicht propagierte: Seine Elektroautos waren eher Akkus auf Rädern. Nun war klar, Reichweiten fast wie beim Verbrennungsmotor erreichte man nur in Autos mit der Grundfläche einer Oberklasselimousine und bei Preisen einer Luxuslimousine.  Kleine Elektroautos und große Reichweiten passen bei dem heutigen Stand der Technik nicht zusammen und schon gar nicht im Komfortmodus bei laufender Klimaanlage bzw. im Heizbetrieb und bei niedrigen Außentemperaturen. Für Vielfahrer mit Langstreckenfahrten wäre zurzeit das Wasserstoffauto mit Brennzelle die vernünftigere Lösung. Dieses Auto kann aber aufgrund des hohen technischen Aufwandes nicht billig angeboten werden.

 

Bei der Elektrifizierung der Automobile sollte eine gewisse Bescheidenheit im Vordergrund stehen. Man sollte im wahrsten Sinne des Wortes klein anfangen. In dem Bereich, der für die allermeisten Autofahrer der Alltag ist, also für Fahrten im Nahbereich und auch für den mittleren Radius, wäre das Elektroauto bereits heute unschlagbar. Die deutschen Autobauer sollten nicht versuchen, Tesla nachzueifern oder gar mit den eigenen Waffen schlagen und mit viel Aufwand noch höhere Reichweiten erreichen zu wollen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Die Kleinstauto-Marke Smart hat die Zeichen der Zeit erkannt. Ab 2020 gibt es die dann wirklich smarten Fortwo und Forfour ausschließlich mit Elektromotor, allerdings nun aus China. VW zieht im gleichen Jahr mit dem Nachfolger des e-Golf, dem VW I.D. Neo nach. In seinen Außenabmessungen wird dieses reine Elektroauto zwar ein Kompaktwagen, aber im Innenraum dank der Elektrobauweise eine Mittelklasselimousine sein. Die ehrgeizigen 330 km Reichweite nach WLTP gelten aber nur für die stärkste Akku-Version mit wahrscheinlich 110 kWh. Für den Alltagsbetrieb dürften die schwächeren Versionen mit 60- oder 80-kWh-Akkus absolut ausreichen. Elektroautos benötigen keine Tankstellen. Letztlich ist die Aufladung überall dort möglich, wo es Strom gibt, selbst an der Straßenlaterne. Eine entsprechende Infrastruktur könnte sehr schnell eingerichtet werden. Man muss es nur wollen.

 

 

 


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