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Setzt das Elektroauto unseren Wohlstand aufs Spiel?

Gerald Balser, 20. März 2019

 

„Man sägt nicht den Ast ab, auf dem man sitzt.“ Eigentlich eine Binsenweisheit, aber Deutschland ist auf dem besten Wege, diese schlichte Erkenntnis zu missachten, nicht mit Absicht, aber de facto schon. Oberstes politisches Ziel, dem sich alle anderen Ziele unterzuordnen haben, scheint der Umweltschutz zu sein. Und dieses Ziel ist absolut, es ist Prinzip. Für Umweltpolitiker ist es bereits fünf Minuten vor Zwölf. Sie glauben keine Zeit verlieren zu dürfen. Fragen nach den Kosten und dem Nutzen sind unanständig und werden nicht zugelassen.

 

Als Feind des deutschen Umweltschutzes wurde das Auto ausgeguckt. Sein Verbrennungsmotor wurde zum Verantwortlichen allen Übels. Ein schnelles Verbot dieses Motors sollte die Lösung sein, konnte aber politisch nicht durchgesetzt werden. Als Ausweg bot sich die Salamitaktik an. Wenn man schon den Verbrennungsmotor nicht über Nacht verbieten kann, dann muss man zumindest einen sauberen Motor fordern. Die Lösung war die Erfindung der Emissionsgrenzwerte, die von den Herstellern einzuhalten waren.  Kaum waren die erreicht, wurden neue niedrigere Grenzwerte festgelegt. Den Herstellern wurde das Leben permanent schwer gemacht. Die Daumenschrauben wurden immer enger angezogen.

 

Technisch ist sehr viel möglich, aber irgendwann werden die Kosten für die Erreichung der Ziele so hoch, dass die Unwirtschaftlichkeit eintritt. Für diejenigen, die Autos produzieren und verkaufen, war diese Situation eine Katastrophe, für den Hardcore-Umweltschützer dagegen ein Triumph. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten die Hersteller lauthals protestieren müssen. Leider taten sie dies nicht, sondern versuchten still und heimlich das Problem durch Manipulation oder besser gesagt durch Betrug zu lösen. Aber wie immer, die Sonne bringt es an den Tag. Mit dem Dieselskandal hatte die deutsche Automobilindustrie insgesamt ihre Glaubwürdigkeit und ihr Vertrauen verspielt. Und das Schlimmste daran, man hatte selbst dazu beigetragen, das Ende des Verbrennungsmotors zu besiegeln. Heute glaubt selbst der Hauptverantwortliche VW nicht mehr an eine Zukunft des Verbrennungsmotors. Die geplanten Milliarden an Entwicklungskosten werden in das Elektroauto investiert.

 

Die Vorstellung einer emissionsfreien Zukunft ist doch wunderbar. Autofahren mit Strom müsste doch sehr viel billiger sein als mit dem teuren Benzin. Elektromotoren werden aus nur wenigen Teilen zusammengesetzt und sind dadurch sehr viel billiger herzustellen als komplizierte Verbrennungsmotoren. Außerdem sind sie bei gleicher Leistung sehr viel kleiner, benötigen im Auto folglich wenig Platz und sind wartungsarm. Wenn doch nicht das Problem mit der Batterie wäre. Daran ist der Elektromotor schon einmal gescheitert, denn der E-Motor ist keine Erfindung unserer Zeit. In den Anfängen des Automobils standen beide Motorenarten zur Auswahl.

 

Welche Auswirkungen hätte der Elektromotor, wenn er den Verbrennungsmotor verdrängen würde? Wie oben beschrieben, könnten sich Umwelt und sogar Autofahrer freuen. Ganz anders sieht es bei den Automobilherstellern inklusive der Händlerorganisation und bei der großen Zahl an Zulieferern aus. Die Auswirkungen sind heute bereits zu spüren. Alle deutschen Hersteller haben Personalabbau angekündigt. Für die Produktion der neuen E-Autos wird deutlich weniger Personal benötigt. Viele Zulieferer werden wegfallen, da ihre Produkte nicht mehr benötigt werden. Auf der anderen Seite werden bislang bedeutende Autoteile zukünftig nicht in Deutschland produziert. Deutschland ist Industrieland und die Autoindustrie ist der Schlüssel, der für unseren Wohlstand maßgeblich verantwortlich ist. „German Cars & German Engineering“ ist weltweit ein Begriff, unsere Automobilindustrie Marktführer. Werden wir diese Position abgeben müssen an andere Länder, andere Industrien und andere Hersteller? Werden Hersteller in China und Südkorea die neuen Marktführer oder gar Unternehmen der neuen digitalen Welt die Autobauer von morgen sein? Alles ist möglich, vor allem dann, wenn der Prozess des Wandels schnell sein sollte. Daran hat Deutschland kein Interesse. Unsere Umweltpolitiker sollten aufhören, die ganz schnellen Veränderungen zu fordern. Sie müssen anfangen, gesamtverantwortlich zu denken und zu handeln und dürfen sich nicht zum Instrument fremder Interessen missbrauchen lassen. Die Autoindustrie ist nicht die regionale Braunkohle. Die Auto-Standorte sind zahlreich und über das ganze Land verteilt. Es geht um hunderttausende, sehr gut bezahlte Arbeitsplätze. Wenn diese Lichter ausgehen, dann sitzt Deutschland im Dunkeln.

 

 

 

 

 


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