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Kann er wirklich über Wasser gehen?

Gerald Balser, 11. September 2020

 

Er ist eine Lichtgestalt, für viele ein Guru und Genie. Inzwischen traut man ihm alles zu und er sich selbst auch. Die Rede ist von Elon Musk, der CEO von Tesla. Elon Musk und Tesla haben zweifellos das Verdienst, die Elektro-Mobilität oder genauer gesagt das Elektroauto voran gebracht zu haben, zu einem Zeitpunkt, wo man diesem Antrieb Null Chancen gab. Die ersten Exemplare wurden als Computer auf vier Rädern verspottet. Die so erfolgreiche deutsche Autoindustrie nahm den „Spinner“ nicht ernst.


       Der CEO des VW-Konzerns Herbert Diess

Dem Chef des VW Konzerns, Herbert Diess, ist es zu verdanken, dass Deutschland den Zug nicht ganz verpasst hat. Allerdings seine Vorreiterrolle hatte Diess bei seinen Kollegen von Mercedes und BMW, die den Verbrenner gerne stärker verteidigt hätten, aber auch im eigenen Hause, offene Gegnerschaft, ja sogar Feindschaft eingebracht. Davon hat sich Diess aber nicht beirren lassen. Dahinter steckte ein glasklares Kalkül. Für den VW Konzern hat der deutsche Automobil Markt schon lange nicht mehr die ganz große Bedeutung. China ist inzwischen mit Abstand der größte Markt. VW verkauft nahezu 40 % seiner Produktion in China. Dieses Riesenreich hat jedoch enorme Umweltprobleme. Es will das Elektroauto und zwar sofort. Mittelfristig wird China den Verkauf von Verbrennern sogar verbieten.

 

Inzwischen hat man auch in Deutschland eingesehen, dass am Elektroauto kein Weg vorbei geht. Die offizielle deutsche Politik ist unmissverständlich. Das Elektroauto wird nicht nur mit Gesetzen, sondern auch mit Umweltboni bevorzugt, der Verbrenner geschnitten. Leider waren die deutschen Autobauer nicht schnell genug. Vom Umweltbonus profitieren zur Zeit vor allem nichtdeutsche Hersteller, vorne weg Tesla. Das staatliche Geschenk von 6.000 € macht das mit 46.380 € Grundpreis günstigste Auto von Tesla, das Model 3, auch für den normalen Bürger bezahlbar. Dazu kommen noch die 3.000 € Nachlass des Herstellers. In den Niederlanden ist dieses Elektro-Auto sogar das meistverkaufte Fahrzeug.

 

VW und Tesla werden in der Öffentlichkeit häufig als Konkurrenten angesehen. Für die Marke VW stimmt das so jedenfalls nicht. Tesla bewegt sich im absoluten Luxussegment. Nur mit dem neuen Model 3 verlässt Tesla diese Region. Tesla ist also eher ein Konkurrent von Mercedes, BMW und Audi. Mit seinen neuen Modellen wird Tesla wieder ins Luxussegment zurückkehren. Verwunderlich ist die Vorgehensweise nicht. Tesla und seine Autos sind zwar technisch wegweisend für Elektroautos, unterscheiden sich aber konzeptionell kaum von den entsprechenden klassischen Verbrennern. Ein Tesla soll sich hinsichtlich der Reichweite und Höchstgeschwindigkeit nicht von einem Verbrenner unterscheiden. Dafür braucht er eine entsprechende Grundfläche für seine großen Batterien. Konzeptionell bedeutet dies den Bau von großen und sehr teuren Autos und die müssen für ihr Geld auch noch sehr gut, konkret sportlich aussehen.

 Tesla Model 3


VW ID.3


Ein Vergleicht Tesla Model 3 und VW ID.3 bestätigt diese These. Elektrotechnisch ist jeder Tesla seinen Konkurrenten überlegen, aber nicht hinsichtlich der Raumökonomie. Der Tesla Model 3 als klassischer Sedan mit sportlichem Fließheck verschenkt bei einer Fahrzeuglänge von 4,69 m für seine sportliche Optik viel Platz im Innenraum und im Fond viel Kopffreiheit. Dies gilt grundsätzlich für alle Tesla-Autos. Obwohl ein Auto der Mittelklasse und vergleichbar mit dem 3er BMW, bietet der Tesla Model 3 nicht mehr Platz im Innenraum als der deutlich kürzere VW ID.3 mit einer Fahrzeuglänge von nur 4,26 m. Auch die Betonung des Vorsprungs in Reichweite und Höchstgeschwindigkeit verrät das Verharren in den Denkmustern des Verbrennungsmotors. Dabei spielen bei einem dichten Aufladenetz Reichweiten nicht mehr so eine wichtige Rolle und bei den bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen weltweit die Höchstgeschwindigkeiten ebenfalls nicht. Damit wären die großen, schweren und teuren Batterien eigentlich nicht mehr notwendig. Übrig bleiben allein die exzellenten, Sportwagen-ähnlichen Beschleunigungswerte. Allerdings, langsam im Sprint sind Elektrofahrzeuge grundsätzlich nicht. VW tut also gut daran, die Strategie von Tesla nicht zu übernehmen.

 

Vergleich Tesla Model 3 vs. VW ID.3

Modell

Leistung 

PS

Verbrauch 

kWh

Akku 

kWh

Reichweit

km

Beschleun

s

Preis

Tesla Model 3

325

14,7

50

409

5,6

Grundmod

46.380

VW 

ID.3

204

15,4

58

430

7,3

Style

40.946


Wie stark Elon Musk noch in der Welt der Benzin-Autos verhaftet ist, verrät sein Kommentar bei der Probefahrt mit dem ID.3 auf dem Flughafen In Braunschweig. Etwas herablassend äußert er sich über die Beschleunigung des VWs. Es wäre ja schließlich kein Sportwagen, konterte Diess. Kein Wort über das vorzügliche Raumangebot, die einfache Belademöglichkeit, die vielen digitalen Assistenzsysteme und den günstigen Preis. Dieser Mann schwebt in hören Sphären. Übrigens, einer seiner Lieblingsautos ist der Jaguar E-Type Baujahr 1967.

 

 

 


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