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Die Modularen Baukästen von VW

Update Gerald Balser, 11. Februar 2020

 

Wie kam es bei VW zum Baukastenprinzip?

Der legendäre VW Käfer war für sehr viele Jahre der „Volkswagen“ schlechthin. Mehr Auto brauchte man nicht. Dachte zumindest VW. Hauptaufgabe der VW-Ingenieure war die ständige Verbesserung dieses Fahrzeuges. Zwar kam irgendwann auch bei VW die Einsicht, dass es besser wäre, nicht nur von einem einzigen Auto abhängig zu sein, allerdings war das Produktangebot für Käferaufsteiger wenig attraktiv.


Der VW 1500 wurde als Variant und Stufenheck angeboten. Darüber gab es noch den VW 411, ebenfalls als Variant und Stufenheck. Aus dieser Zeit stammt die Auffassung, VW könne keine attraktiven Stufenheckmodelle designen. Einzig der VW Transporter bzw. VW Bus und in gewisser Weise auch der VW Karman Ghia waren erfolgreich. Da jedes Modell von den VW-Ingenieuren unabhängig voneinander entwickelt und gebaut wurde und folglich kein Teil in ein anderes Fahrzeug passte, waren die Entwicklungszeiten und –Kosten immens. Die neuen VWs wurden zwangsweise sehr teuer. VW wollte keine Nischenprodukte. Jedes neue Auto musste ein Volumenmodell werden, oder es verschwand.


Bereits damals praktizierten in den USA General Motors und Ford für ihre breite und tiefe Produktpalette das Baukastensystem.  Die VW-Ingenieure hielten diese „Plagiate“ für Betrug am Kunden. So war es eher blanke Not als bessere Einsicht, dass VW beim notwenigen Wechsel ihres traditionellen Konzepts „luftgekühlte Motoren und Heckantrieb“ zum modernen Konzept „wassergekühlte Motoren und Frontantrieb“ eine Art Baukastensystem einführte und zwar sehr drastisch. Der erste VW mit neuer Konzeption, der VW Passat 1973, war ein Audi 80 mit Schrägheck und großer Heckklappe, der VW Polo 1975 ein Audi 50 mit VW-Lollipop. Zur Überraschung der VW-Ingenieure regten sich damals weder die Presse noch die Kunden über die vermeintlichen Plagiate auf. VW kam auf den Geschmack und optimierte das Baukastensystem. Heute freut sich der Kunde, wenn die gleiche Technik in den Autos preiswerterer Konzernmarken eingebaut wird.

 

Der Modulare Querbaukasten (MQB)

Bekannt wurde VW vor allem mit seinem „Modularen Querbaukasten“ (MQB). Er kommt bei kleinen und mittleren Fahrzeugen mit vorn quer eingebautem Motor zum Einsatz. Der MQB ist der Nachfolger des ursprünglichen starren Plattform, die auf identischer Basis  lediglich andere Karosserien mit ähnlichen Abmessungen (VW Golf und Audi A3) erlaubten.  Beim MQB vergrößern sich die Möglichkeiten deutlich. Es können viele Modelle der verschiedenen Konzernmarken mit einheitlichen Vorder- und Hinterwagen-Modulen bei unterschiedlichen Radständen und Spurbreiten sowie unterschiedlichen Antriebsarten gebaut werden. Der Querbau des Motors erbringt zusätzlich mehr Platz im Innenraum, eine Verbesserte Sicherheit, ein verringertes Gewicht und verbrauchgünstigere Motoren. Letztlich könnten auf einem Fließband sogar unterschiedlich große Modelle produziert werden.


Plattform MQB

Baureihe

MBQ-A0

Audi A1

Seat Ibiza

Seat Arona

Skoda Scala

Skoda Kamiq

VW Polo

VW T-Cross

MBQ-A1

Audi Q2

Seat Ateca

Skoda Karoq

VW Golf VII

VW T-Roc

MBQ-A2

Audi Q3

Audi Q3 Sportback

Seat Terraco

Skoda Kodiaq

VW Tiguan

VW Tiguan Allspace

 

Einen eigenen Baukasten gibt es für die kleinsten Modelle: den VW up!, den Seat Mii und den Skoda Citigo.



Der Modulare Längsbaukasten (MLB)

Der "Modulare Längsbaukasten" (MLB) wurde bei Audi entwickelt und zielt auf größere Modelle und Limousinen. Er ist ein Plattformkonzept mit längs zur Fahrtrichtung verbautem Antriebsstrang (Motor und Getriebe).


Marke

Baureihe

Audi

 Audi A4

Audi A5

Audi A6

Audi A7

Audi A8

Audi Q5

Audi Q7

Audi Q8

Bentley

Bentley Bentayga

Lamborghini

Lamborghini Ursus

Porsche

Porsche Cayenne

VW

VW Touareg

 


Der Modulare Standardbaukasten (MSB)

Für Großlimousinen, Coupés oder Sportwagen, die teils am Heck angetrieben werden, haben die VW-Entwickler den "Modularen Standardbaukasten" (MSB) geschaffen.


Marke

Baureihe

Bentley

Bentley Continental GT

Bentley Continental GTC

Bentley Flying Spur

Porsche

Porsche Panamera



Der Modulare Produktionsbaukasten (MPB)

VW entwickelt das Baukastenprinzip ständig weiter bzw. erweitert auch sein Aufgabengebiet, z. B. auf die Innenausstattung. Schließlich findet  das Baukastensystem in den Maschinen und Anlagen am Band Anwendung. So soll der "Modulare Produktionsbaukasten" (MPB) im Karosseriebau das Fertigungstempo erhöhen. Teile wie Heckklappen können an einem Band statt auf mehreren Produktionslinien entstehen. Insgesamt soll das System so auch mehr Freiraum für regionale Varianten oder Nischenmodelle mit geringerer Stückzahl schaffen.



Der Modulare E-Antriebs-Baukasten (MEB)

Im Zuge des Wandels vom Verbrennungs- zum Elektromotor und wegen der vielen konzeptionellen Vorteile hat VW einen weiteren Baukasten, den „Modularen E-Antriebs-Baukasten“ entwickelt. Das erste E-Auto dieses Baukastens wird im Frühjahr 2020 der VW ID.3 sein. Hinsichtlich der Variabilität ist aber noch lange nicht Schluss. VW arbeitet nach "Plattform" und "Modularem Baukasten" bereits an einer "Toolkit Strategy".

 

Die zukünftige E-Flotte von VW

VW plant in den nächsten Jahren mit Hilfe seines MEB eine komplette Flotte von E-Autos zu bauen.

Aber lassen wir VW sein Baukastensystem selbst erläutern:


1. Was ist der MEB?

Der Modulare E-Antriebs-Baukasten (MEB) ist ein Baukastensystem für die Herstellung von Elektroautos, das Volkswagen derzeit entwickelt. Schon die Einführung des Modularen Querbaukastens (MQB) in die Autoarchitektur bedeutete 2012 einen tiefgreifenden technologischen Systemwechsel: An die Stelle des Plattformprinzips trat ein flexibler Baukasten, der den Fahrzeugbau noch effizienter macht. Der MEB wird hier der nächste große Schritt sein: Seit 2015 wird er entwickelt, um die Stärken des MQB weiter zu optimieren – im Hinblick auf die Elektromobilität.


2. Was unterscheidet den MEB vom MQB?

Als der MQB konzipiert wurde, spielte die Vision vom massentauglichen E-Fahrzeug noch nicht die zentrale Rolle, die sie heute einnimmt. Der MEB wird nun exakt auf diese Idee hin entwickelt: Wie müssen Achsen, Antriebe, Radstände und Gewichtsverhältnisse aussehen, damit ein Auto optimal für die Anforderungen der e-mobility gerüstet ist? Vor allem: Wie sehen das beste Design und die Positionierung für die Batterien aus? Die derzeit erhältlichen E-Autos von Volkswagen werden auf Basis des MQB gebaut. Das geht hervorragend – der MEB wird die Konzeption und Fertigung von E-Autos jedoch weiter optimieren.


3. Wozu brauchen wir überhaupt einen neuen Baukasten?

Weil ein speziell entwickelter Baukasten wie der MEB die Herstellung von E-Autos auf lange Sicht effizienter und folglich kostengünstiger macht – und es Volkswagen somit erlaubt, seine Produktion konsequenter auf die E-Mobilität auszurichten, um der immer stärker wachsenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen nachzukommen. Allerdings haben noch weitere Faktoren Einfluss auf den zukünftigen Verkaufspreis von E-Autos – insbesondere der rasante Fortschritt in der Batterietechnik.


4. Gibt es heute schon Autos, die auf dem MEB aufbauen?

Bislang hat Volkswagen drei E-Konzeptfahrzeuge vorgestellt, die auf dem MEB basieren: den 2016 präsentierten E-Bus BUDD, den I.D., der beim Autosalon 2016 in Paris für Aufsehen sorgte – und den im Januar 2017 auf der Detroit Auto Show vorgestellten I.D. BUZZ, der eine Vision vom Bulli der Zukunft vermittelt. Laut Plan geht ein Kompaktwagen auf Basis des MEB im Jahr 2020 in Serie.

 


Volkswagen gibt selbst zu, dass die Baukastenstrategie neben den vielen Synergievorteilen gleichzeitig enorme Risiken in sich birgt. Da viele Teile unverändert in sehr viele verschiedenen Modellen eingebaut werden, würde ein Rückrufaktion unverhältnismäßig teuer werden. Die Baukasten-Strategie macht erhöhte Anstrengungen bei der Qualitätskontrolle zwingend notwendig.




 

 

 

 


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Gerald Balser

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