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E-Konvergenz

Gerald Balser, 18. Oktober 2020


Die Elektromobilität war zuletzt häufig Thema der Frankfurter IAA. Die deutschen Hersteller zeigten gerne ihre Ideen in Blech, auf der Straße fand man allerdings diese E-Autos nicht. Insbesondere für die deutschen Hersteller war es ein Schock, als der kleine unbekannte Hersteller aus dem Silicon Valley „Tesla“ auf der IAA 2013 sein Model S, ein sportliches Auto der Luxusklasse, vorstellte.

Dabei war der Tesla-Messe-Stand so klein und unauffällig, dass man bei dem Messerundgang schon einen Tipp braucht, um das Auto nicht zu verpassen. Dieses Auto hatte angeblich eine Reichweite bis zu 480 km und konnte in Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit seinen edlen Konkurrenten Paroli bieten. Damit hatte eigentlich niemand gerechnet, auch nicht der Autojournalismus. Ich schrieb damals abschließend in meinem Bericht über die IAA im Sonntag-Morgenmagazin: "Stutzig macht der kleine kalifornische Hersteller von Elektromobilen „Tesla“. Der „Model S“ z. B. wird mit einer Reichweite von bis zu 480 km angeboten. Wieso schaffen die großen Hersteller mit ihren Möglichkeiten nur maximal 200 km?"

Tesla Model S

Quelle: Tesla Motors


Tesla hatte einen völlig anderen Ansatz. Für die deutschen Hersteller war das E-Auto in erster Linie ein kleiner Stadtflitzer und auf keinen Fall ein Auto für lange Strecken. Die teuren Batterien machten selbst ein kleines E-Auto recht teuer. Um das Elektroauto nicht noch teurer zu machen, bauten die deutschen Hersteller aus einem vorhandenen Verbrenner den Motor aus und einen Elektromotor und eine entsprechende größere Batterie ein. Die deutschen Hersteller waren sich des Misserfolgs des Elektroautos sicher. Die wollten sich nur nicht Untätigkeit und Schlafmützigkeit vorwerfen lassen.

Seat Mii electric

Quelle: Seat Deutschland GmbH


Tesla dagegen setze voll auf das Elektrofahrzeug. Sie hatte die Probleme mit der Zweigleisigkeit nicht. Ihr Ansatz, auf dem Markt für E-Autos Fuß zu fassen, war ein ganz anderer. Tesla wusste, teure Batterien spielen bei Luxusautos keine große Rolle. Sie wagte die Konkurrenz gegen Mercedes, BMW und Audi. Den riesigen Platzbedarf für die Unterbringung der Batterien löste Tesla durch eine flache Auslegung der Batterien auf der Bodenplatte. Kein Problem bei den großen Luxusschlitten. Damit war zunächst einmal die Entscheidung gegen die Massenherstellung gefallen. Die anderen Nachteile des Elektroautos konnte man durch den Aufbau eines eigenen Aufladesystems mit super schnellen Ladesäulen ebenfalls lösen. Wer genügend Geld auf dem Konto hatte, konnte sich unbesorgt einen Tesla kaufen und hatte sogar die Moral auf seiner Seite.

Porsche Taycan

Quelle: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Der Dieselskandal hätte den deutschen Herstellern mit ihren Verbrennern eigentlich den Rest geben müssen. VW mutierte überraschend vom Umweltsünder zum Vorreiter des Elektroautos. Zur Hilfe kamen die riesigen technischen Fortschritte und die fallenden Preise bei gleichzeitiger Leistungssteigerung der Batterien. Tesla hat inzwischen viele ernstzunehmende Konkurrenten bekommen. Der Abstand wird immer geringer. Zur Zeit entsteht eine Art Konvergenz, d.h. Tesla will auch Massenhersteller werden und besetzt Segmente im mittleren Bereich. Auf der anderen Seite werden die klassischen Anbieter immer mutiger und greifen Tesla im Luxussegment an. Eine sehr spannende Auseinandersetzung. Ausgang absolut offen.


Tesla Model 3

Quelle: Tesla Motors




 


AUTOMOBILMARKT

DEUTSCHLAND

www.automobilmarktdeutschland.de



Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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