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Genf bringt es an den Tag

Gerald Balser, 5. März 2019

 

Automobilmessen haben zum Ziel, dem interessierten Publikum zu zeigen, wozu die Hersteller in der Lage sind, aktuell aber vor allem in Zukunft. Die Signale, die vom Genfer Autosalon kommen, sind eindeutig. Die Zukunft, ja sogar die nahe Zukunft gehört dem Elektroauto bzw. zumindest dem Hybrid. Das Auto mit dem reinen Verbrennungsmotor ist ein Auslaufmodell und nur noch gut genug für die Nische. Im Vordergrund der Messestände stehen bei allen Herstellern die bereits bzw. fast serienreifen, zahlreichen Elektroautos.

 

Die vor wenigen Monaten noch vorgebrachten Bedenken wegen einer möglichen Zurückhaltung der Käufer sind wie weggeblasen. Betont werden inzwischen die Vorteile der Elektroautos gegenüber dem Verbrenner und das sind nicht wenige und auch keine unwichtigen. Das Elektroauto hätte das Zeug, die Preisspirale zu stoppen. Beim E-Auto fallen nicht nur viele und teure Autoteile weg,  dessen wartungs- und verschleißfreier, dazu deutlich kleinerer und günstigerer Motor mit nur wenigen Einzelteilen und dem verhältnismäßig günstigen Strom könnte das Auto sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb deutlich verbilligen. Außerdem bieten neu konzipierte, reine E-Autos auf gleicher Grundfläche deutlich mehr Platz im Innenraum. Z. B. der neue VW I.D. Neo mit den Abmessungen eines aktuellen VW Golf müsste eher der Mittelklasse zugerechnet werden. Diese Vorteile müssen wahrscheinlich mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen und dem Einbüßen des technischen Vorsprungs der deutschen Hersteller und Zulieferer bezahlt werden.


Die neuen Elektroautos haben beim Kunden bereits den Nimbus, Computer auf Rädern zu sein, also dem Level 5 des autonomen Fahrens sehr nahe zu kommen. Diese hohe Erwartungshaltung bedingt ein nahezu komplett ausgestattetes Fahrzeug. Extras des klassischen Autos mit Verbrennungsmotor müssen nun zur Serie gezählt werden.  Ganz billig in der Anschaffung kann ein solch ausgestattetes Auto natürlich nicht sein. Aber wo ließe sich noch Geld sparen? Im Visier der Hersteller ist bereits die verhältnismäßig teure Vertriebsorganisation über das Netz der Vertragshändler. VW und auch Mercedes bieten ihren Kunden bereits ganz im Stillen den direkten Online-Verkauf über ihre Website an. Die Händlermargen sind zwar im Automobilhandel über die Jahre geschrumpft, aber ein kompletter Wegfall des Händlernetzes könnte den Listenpreis deutlich verringern. Mit einem nahezu voll ausgestatteten E-Auto und einer limitierten Farbgestaltung (Schwarz, Weiß und Grau haben einen Anteil an den Neuzulassungen von ca. 75 %) könnte auf die unsägliche Praxis der individualisierten Kundenbestellung (Konfigurator) fast ganz verzichtet werden. Damit hätte man sogar die Möglichkeit, im Voraus zu produzieren und lange Lieferzeiten auszuschließen. Die Lieferzeiten könnten aber zum Knackpunkt werden. Wenn der Kunde den Eindruck hat, die Anschaffung eines Elektroautos lohnt sich, dann ist er nicht mehr zu bremsen, dann geht der Run los. Es ist zu bezweifeln, dass die Hersteller auf eine solche Situation vorbereitet sind, von der Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur zur Aufladung ganz zu schweigen.

 

 

 

 

 


Die Marke von 570.000 Aufrufe überschritten!!!



Gerald Balser

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