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Geht das VW-Konzept mit VW ID.3 und ID.4 auf?

Gerald Balser, 6. Oktober 2020


In den Medien wird vielfach behauptet, Anfang-Mitte der 70er-Jahre hätte VW vor einem ähnlichen Umbruch wie heute getanden. Die Verkaufszahlen des Käfers gingen damals dramatisch zurück. Das VW-Konzept war veraltet. VW stand vor dem Abgrund. Vergleiche hinken, so auch dieser. Vor dem Abgrund steht VW aktuell überhapt nicht. Das Konzept des neuen Golf ist hochmodern und in Deutschland ist der Golf immer noch das mit großem Abstand meist verkaufte Modell, auch wenn er in jüngster Zeit hat Federn lassen müssen. An einen Verzicht des Golf ist gar nicht zu denken.


Nicht der Kunde, sondern die Politik - und zwar global - bestimmt aktuell das Angebot der Automobilhersteller. Die Megamillionenstädte in China und Los Angeles in Kalifornien haben gewaltige Umweltprobleme. Zeitweise sieht man dort kaum die Hand vor den Augen. Als Verursacher des Smogs hat man das Auto ausgemacht. Das emissionsfreie E-Auto soll die Rettung bringen. China will den Bau des Verbrenners sogar in absehbarer Zukunft ganz verbieten. VW verkauft rund 40 % seiner Produktion allein auf dem chinesischen Markt. Bei dieser Vorgabe musste Herbert Diess, der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns, nicht lange überlegen. VW und seine Konzernmarken gelten inzwischen als die konsequentesten Vorkämpfer des E-Autos. Da die klassischen Verbrenner aber immer noch die vielen Milliarden Euro für die Weiterentwicklung des E-Autos verdienen müssen, liegt es nicht im Interesse von VW, den Auto-Klassiker in absehbarer Zeit zu verbieten. Daher stellt sich für VW nicht die Frage, welches Auto letztlich das bessere ist: Golf oder ID.3, Tiguan oder ID.4? Das hieße Äpfel mit Birnen vergleichen. Das ist eher eine Glaubensfrage. Die VW-Kundschaft wird sich sehr wahrscheinlich nach und nach aufspalten. Die E-Auto-Befürworter werden sich für den Verbrenner nicht mehr interessieren und umgekehrt. Das zweigleisige Fahren wird auf dem deutschen Automobilmarkt viele Jahre Bestand haben.


Bis vor kurzem war das E-Auto eher ein Nischenprodukt mit unbedeutenden Verkaufszahlen. Mit Hilfe der beträchtlichen Umweltprämie hat sich die Situation deutlich verändert. Die viel zu kleinen Produktionskapazitäten reichen bei weitem nicht für eine Befriedigung der aktuellen Nachfrage nach vollelektrischen Autos. Lange Lieferzeiten sind die Folge. Die ersten auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MEB) gebauten vollelektrischen Autos von VW, der ID.3 und das VW-Weltauto ID.4, zielen keineswegs gegen den Golf bzw. gegen den Tiguan. Deren Konkurrenten sind die entsprechenden E-Autos von Tesla & Co. Ein direkter Vergleich unter E-Autos ist allerdings nicht einfach, da die alte Klassifizierung bei E-Autos schwierig ist. Hinsichtlich der Abmessungen und einer Fahrzeuglänge von lediglich 4,26 m zählt der ID.3 zu den Kompaktwagen. Sein langer Radstand von 2,77 m bei kurzer Schnauze würde eine Höherstufung in die Mittelklasse erlauben. Die Fahrzeughöhe von 1,55 m reichte aus für eine Einordnung als Van.


Die Konkurrenz zum VW ID.3 ist in seiner Klasse nicht sonderlich groß. Z. B. fällt der konzeptionell sehr ähnliche neue BMW i3 mit einer Fahrzeuglänge von nur 4,00 m als direkter Konkurrent aus. Übrig bleiben gerade einmal fünf E-Autos: Das Klein-SUV Hyundai Kona Elektro und der Klein-Van Kia e-Soul sowie die drei größeren, im Design klassischen Kompakt-SUVs Peugeot e-2008, Kira Niro EV und Mazda MX-30. Alle fünf Konkurrenten des ID.3 wirken mit ihrem klassischen Design eines Verbrenners eher wie ein Plug-in-Hybrid und nicht wie moderne E-Autos. Hier hat der iD.3 konzeptionelle Vorteile.



VW ID.3 und seine Konkurrenten

Modell

Länge

(m)

Breite

Höhe

(m)

PS

Ver-brauch

(kWh)

V-max

(km/h)

Be-schleu-nigung

(s)

Batterie

(kWh)

Reich-weite

(km)

Hyundai Kona Elektro

4,17

1,80

1,56

136

13,9

155

9,7

39,2

312

Hyundai Kona Elektro

4,17

1,80

1,56

 204

 14,3

167

7,6

64,0

482

Kia e-Soul

4,20

1,80

1,61


136

15,6

157

9,9

39,2

276

Kia e-Soul

4,20

1,80

1,61

204

15,7

167

7,9

64,0

452

VW ID.3

4,26

1,81

4,57

204

k.A.

160

k.A.

45,0

330

VW ID.3

4,26

1,81

4,57

204

15,7

160

7,3

58,0

430

VW ID.3

4,26

1,81

4,57

306

16,1

160

7,9

77,0

550

Peugeot e-2008

4,30

1,77

1,53

136

17,8

150

9,0

50,0

320

Kia e-Niro 

4,38

1,81

1,56

136

15,3

155

9,8

39,2

289

Kia e-Niro 

4,38

1,81

1,56

204

15,9

167

7,8

64,0

455

Mazda MX-30 

 

4,40

1,85

1,56

145

17,3

140

9,7

35,5

237


Die Konkurrenzsituation beim VW ID.4 ist ähnlich. Mit einer Fahrzeuglänge von 4,58 m ist ID.4 ein Mittelklasse-SUV. Sein Radstand von 2,77 m ist jedoch identisch mit dem des ID.3. Zu seinen Konkurrenten innerhalb seiner Längenklasse gehören sieben E-Autos: Der Kompakt-SUV XC40 vollelektrisch von Volvo, die drei kleineren Limousinenen Hyundai Ioniq Elektro und Nissan Leaf sowie die beiden größeren, sehr sportlichen Limousinen Volvo-Polestar 2 und Tesla Model 3. Eine echte direkte Konkurrenz sind eigentlich lediglich die beiden Obere MK-SUVs Ford Mustang Mach E und Jaguar i-Pace sowie das Kompakt-SUV Volvo XC40.


VW ID.4 und seine Konkurrenten

Modell

Länge

(m)

Breite

Höhe

(m)

PS

Ver-brauch

(kWh)

V-max

(km/h)

Be-schleu-nigung

(s)

Batterie

(kWh)

Reich-weite

(km)

Volvo XC40
vollelektrisch

4,43

1,86

1,65

2x204

22,0

180

4,9

78

418

Hyundai Ioniq Elektro

4,47

1,82

1,45

136

12,3

165

9,9

28,0

280

Nissan Leaf

4,49

1,79

1,54

150

20,6

157

7,9

40,0

270

Nissan Leaf

4,49

1,79

1,54

217

20,6

157

7,3

62,0

385

VW ID.4

4,58

1,85

4,61

204

13,8

180

7,5

45,0

420

VW ID.4

4,58

1,85

4,61

204

k.A.

160

k.A.

58,0

520

VW ID.4

4,58

1,85

4,61

306

17,2

160

8,5

77,0

520

Volvo Polestar 2

4,60

1,98

1,48

408

19,3

205

4,7

78,0

500

Jaguar i-Pace

4,68

1,89

1,57

320

23,0

180

6,4

90,0

470

Jaguar i-Pace

4,68

1,89

1,57

400

23,0

200

4,8

90,0

470

Tesla Model 3

4,69

1,93

1,44

325

14,3

225

5,6

58,0

409

Tesla Model 3

4,69

1,93

1,44

325

16,0

233

4,8

75,0

560

Tesla Model 3

4,69

1,93

1,44

440

16,0

261

3,4

75,0

530

Ford Mustang Mach-E

4,71

1,88

1,60

510

19,5

185

3,7

90,8

610


Alle sechs Konkurrenten des VW ID.4 können sich vom Design des klassischen Verbrenners nicht lösen und verschenken damit Raumvorteile und einen kleineren Wendekreis. Ob der Verbraucher das pfiffige Raumkonzept von VW honorieren wird oder eher die klassische, sportliche Linie der Konkurrenten bevorzugt, steht allerdings in den Sternen.

 

 

 

 

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