VW: Namen für E-Mobile

Gerald Balser, 4. August 2019

VW macht es sich nicht leicht. Für jedes neue Modell muss ein attraktiver Name her. Die großen Konkurrenten Mercedes und BMW, aber auch die Konzernmarke Audi, machen es sich dagegen recht einfach durch den Gebrauch von Buchstaben bzw. Ziffern. Was jedoch schon in Vergessenheit geraten ist: Modellnamen gibt es bei VW erst seit 1973 mit der Einführung des VW Passat. Wer erinnert sich heute schon an die früheren Modellbezeichnungen VW 1303, VW Typ 2, VW 1500/1600 und VW 412. Die interessierte Öffentlichkeit konnte sich die abstrakten Bezeichnungen nie merken. Man half sich mit Spitznamen, wie Käfer, Bulli und Nasenbär.

 

Geeignete Namen zu finden klingt zunächst einmal ganz einfach, ist aber eine schwierige und aufwendige Tätigkeit, denn es müssen sehr viele Bedingungen erfüllt werden. Z. B. muss der neue Namen zum Produkt Auto passen, der gewünschten Zielgruppe und dem Design bzw. dem Fahrzeugtyp (Sportcoupé, Kleinwagen, Limousine, usw.) entsprechen sowie international und rechtlich verwendbar sein. Dabei ist man grundsätzlich gut beraten, Namen zu verwenden, die bereits in der Öffentlichkeit bekannt sind. Kunstnamen und komplizierte Namen tun sich sehr schwer, die lassen sich weniger gut merken und müssen noch erklärt werden. Dass trotz dieser Kenntnisse immer wieder Pannen passieren, zeigt ein Beispiel in Australien. Die Presse hatte sich köstlich über den neuen VW Passat amüsiert. Passat bedeutet dort in der Umgangssprache „Furz“. Dennoch, VW mit seiner Marktmacht ist letztlich in der Lage, jeden Namen durchzusetzen. Das zeigen die Beispiele Tiguan, eine Kombination aus Tiger und Leguan bzw. Arteon aus Ars (Kunst) und Phaeton.  Die Endung "-eon" soll eventuell auf seine Rolle als neues Flaggschiff von VW hinweisen. Das größte Problem hinsichtlich der Namensgebung ist inzwischen überhaupt noch neue geeignete Modellnamen zu finden. Die besten Namen sind schon weg, entweder bereits in Gebrauch oder rechtlich geschützt. VW hat sich vorsorglich einen Pool von Namen schützen lassen.

 

Eine gewaltige Herausforderung an die Kreativität der Namensgeber sind die neuen Elektroautos. Die kommen auf den Markt, weniger weil der Kunde diese Autos unbedingt haben will, sondern weil die internationale Politik den Herstellern keine andere Wahl lässt. Kann sich der traditionelle Käufer auch mit solch einem Auto identifizieren? Verliert das Auto seinen Wert als Statussymbol? Ist das E-Auto das Ende des Autofans? Lässt sich das Elektroauto - genau wie ein konventionelles Autos - über seinen Namen profilieren, kann hier ein Name positive Assoziationen herstellen und Emotionen wecken? Man sollte es zumindest versuchen. Allerdings, bei der ganz klar im Vordergrund stehenden neuen Technik dieser Autos ist die Neigung zur Verwendung technischer Namen groß.

 

Die Marke VW scheint, genau in diese Richtung gehen zu wollen. Sie hat sich hinsichtlich der Namensgebung ihrer E-Autos bereits zum Teil festgelegt. Alle mit Hilfe des "Modularen Elektrobaukastens" (MEB) neu entwickelten E-Autos sollen - quasi als Erkennungsmerkmal - zunächst mit den Initialen „ID.“ beginnen. VW gibt leider keine Auskunft darüber, welche Bedeutung hinter dieser Abkürzung steht. Ich würde auf „Intelligent Drive“ tippen, wenn nicht bereits Mercedes diesen Ausdruck verwenden würde. Die von VW selbst publizierten Arbeitsnamen „ID.Neo“, "ID.Crozz", "ID.Buzz" und "ID.Aero" sind eigentlich gar nicht so schlecht. Leider haben sich meine Befürchtungen bewahrheitet. VW macht es sich bei seinen E-Mobilen einfach und hat den ID. Neo offiziell in ID.3 umbenannt. Die 3 solle auf die Einsortierung dieses E-Autos in die Klasse 3 hinweisen, also in die Kompaktklasse. Nach diesem Muster ist zu erwarten, dass VW Zug um Zug E-Autos mit den Namen ID.3, ID.4 usw. auf den Markt bringen wird. Da werden alte Erinnerungen an die Anfänge von VW wach als der Käfer offiziell „VW 1200“ oder innerhalb des Werkes „Typ 1“ hieß. Man sollte sich die Nischenmarke Tesla (Model 3) nicht zum Vorbild nehmen.

 

 

 

 

 


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Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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