Wozu eigentlich noch Hybrid?

Gerald Balser, 30. November 2020

 

Seit Einführung des Umweltbonus und besonders seit dessen Erhöhung auf fast 10.500 Euro brutto (netto: 6.000 Euro Staat + 3.000 Euro Hersteller) boomt das E-Auto. Bei den monatlichen Neuzulassungen hat das E-Auto inkl. Hybrid den Diesel bereits hinter sich gelassen. Es ist anzunehmen, dass angesichts der Verlängerung der Bonuszahlung bis zum Jahr 2015 der Boom noch weiter anhalten wird. Förderungswürdig ist aber nicht nur das vollelektrische Auto, sondern auch der Plug-in-Hybrid, allerdings mit einem geringeren Betrag (4000 Staat + 2.000 Hersteller).

 

Die vollelektrischen Autos haben in den letzten Jahren technologisch einen gewaltigen Fortschritt erlebt. Reichweiten von 400 km sind jetzt Standard. Die Ladezeit liegt bei nur noch ca. einer halben Stunde für eine Aufladung von 80 %. Ladestationen und Schnellladesäulen findet man immer häufiger. Die Angst, mit leerer Batterie liegen zu bleiben, ist objektiv unbegründet. Wozu dann noch einen technisch aufwendigen Hybrid mit zwei technisch unterschiedlichen Motoren? Unter der Bevölkerung existiert diese Angst aber immer noch und auch vor einem innerstädtischen Fahrverbot. Mit einem Plug-in-Hybrid wären beide Probleme gelöst.

VW Passat GTE Limousine

 

Besonders beliebt ist der Plug-in-Hybrid bei den Herstellern. Die permanenten Verschärfungen der Emissionsgrenzwerte durch die EU, mit geforderten Flottenverbräuchen in Höhe von ca. 2 l/100 km lässt den Herstellern gar keine andere Wahl. Natürlich wäre ein vollelektrisches Auto noch besser, denn es stößt gar keine Emissionen aus. Die Entwicklung dauert aber Jahre und kostet viel Geld. Sehr viel schneller ist ein Verbrenner zum Plug-in-Hybrid umgebaut.

 

Toyota Yaris Hybrid


Pionier des Hybrid-Autos ist Toyota. Die benutzten den Elektromotor aber nicht aus umweltpolitischen Gründen, sondern um die Verbräuche ihrer Benzinmotoren zu senken. Damit wollte Toyota den Herstellern von Dieselmotoren entgegentreten. Der zusätzliche E-Motor erlaubte den Einbau eines kleineren Benziners und damit die Reduzierung des Benzinverbrauchs. Gleichzeitig kann man den E-Motor als Booster, also als PS-Verstärker einsetzen. Wie ein Plug-in-Hybrid lässt sich der Vollhybrid rein elektrisch fahren, aber nicht von außen aufladen. Die Ladung erfolgt während der Fahrt. Aus diesem Grund bekommt der Vollhybrid auch keine staatliche Umweltprämie. Pech für Toyota.


Aber wie umweltfreundlich ist der Plug-in-Hybrid? Die Regierung geht davon aus, dass der Plug-in-Hybrid, genau wie der Vollhybrid, zumeist rein elektrisch gefahren wird. Allerdings hat der kleine E-Motor eine Reichweite von nur bis zu 70 km. Selbst diese kleine Reichweite genügt dem Normalfahrer für seine tägliche Stecke. Über Nacht wird das Auto über die heimische Steckdose bzw. noch besser über eine Wallbox wieder aufgeladen. So mancher kann sein Auto auch bei seinem Arbeitgeber während der Arbeit aufladen. Ein solches Auto sieht die Tankstelle recht selten. Die Idee des Plug-in-Hybriden war ursprünglich, dem Autofahrer die Sicherheit zu geben, nicht unterwegs mit leer gefahrener Batterie liegen zu bleiben. Daher kann dieses Auto bei Bedarf ausschließlich mit Benzin gefahren werden.

 

Jetzt wird der Plug-in-Hybrid für Fahrer von Diesel als Dienstwagen interessant. Durch Zuschaltung des E-Motors zum relativ kleinen Benzinmotor bekommt der Plug-in-Hybrid nochmals richtig Dampf. VW trägt dem durch die Bezeichnung GTE (Gran Turismo Elektro) Rechnung und im neuen Tiguan macht der E-Motor diesen zum Performance-Modell R. Für diese Personengruppe könnte der Plug-in-Hybrid zum Ersatz des gesellschaftlich verteufelten Diesels werden. Allerdings gibt es beim Plug-in-Hybrid einen Haken. Das elektrische Aufladen ist trotz des kleinen Akkus sehr zeitaufwendig, da ein Schnellaufladen vom Hersteller nicht ermöglicht wird. Wenn nicht aus der eigenen Tasche gezahlt werden muss, kommt man ganz schnell auf die Idee, auf den Umweltschutz zu pfeifen und für sich selbst nur den Booster zu nutzen. Dann kann man sich auch die Arbeit und die Zeit des Aufladens sparen und ausschließlich an der Tankstelle tanken. Dieses Verhalten geht natürlich an der ursprünglichen Idee vorbei. In den Niederlanden hat man bereits reagiert und den Plug-in-Hybrid aus der staatlichen Förderung genommen.


 

Drei elektrische Golf

Grau:  Mild Hybrid eTSI   Gelb: Plug-in-Hybrid eHybrid   Weiß: Plug-in-Hybrid GTE

 

Ehrlicher ist dann die Verwendung des Mildhybrid, der weder von außen aufgeladen noch rein elektrisch gefahren werden kann.  Er dient allein der Verkleinerung des Benzinmotors bzw. der Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs bei gleichzeitiger Leistungssteigerung. Zum Einsatz kommt neben dem kleinen E-Motor, evtl. auf beide Achsen, eine 48-Volt-Batterie.

 

 

 


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Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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