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Geht die Ära Golf zu Ende?

Gerald Balser, 18. November 2020

 


Am Ende ist der VW Golf noch lange nicht. Er ist immer noch das mit weitem Abstand meistverkaufte Modell in Deutschland. Aber die Zahlen der monatlichen Neuzulassungen gehen schon seit geraumer Zeit kontinuierlich zurück. Dies hat viele Gründe. Grundsätzlich wird es für VW zunehmend schwerer, mit nur einem einzigen Modell breiteste Käuferschichten abzudecken. Die Konkurrenz wird immer besser und auch die im eigenen Haus durch die zahlreichen Derivate des Golf immer größer. Die größte Gefahr für den Golf geht aber von der politischen Entscheidung für das E-Auto und gegen den Verbrenner aus. Die Bundesregierung ist dabei, mit Hilfe einer großzügigen politisch motivierten Umweltprämie (jetzt verlängert bis Ende 2025) ein eigentlich preislich nicht konkurrenzfähiges Auto attraktiv zu machen und somit das Kaufverhalten in ihrem gewünschten Sinne maßgeblich zu beeinflussen. Dadurch sollen die Hersteller in die politisch gewünschte Richtung gedrängt werden.


Herbert Diess stellt den ID.3 in die Reihe Von Käfer und Golf

 

VW und in erster Linie sein CEO Herbert Diess haben früh die politischen Zwänge erkannt und sich umgestellt. Das elektrische Gegenstück zum Golf, der ID.3, ist bereits auf dem Markt und verkauft sich sehr gut. Eigentlich ein Wahnsinn. Die erst im Spätsommer auf den Markt gebrachte neue Generation 8 des Golfs ist, auch umwelttechnisch, aller erster Güte. Man kann unter diesen Umständen nur hoffen, dass die Politik kein Verbot des Verbrenners beschließt. Dafür hat der Golf viel zu viel zu bieten und technisch ist er einfach zu gut: „Den besten VW Golf, den es je gab.“ Trotz des modifizierten neuen Designs ist der Golf als solcher unverkennbar, emotionaler und von vorne sogar ein wenig aggressiv.


 Digitales Cockpit im Golf 8

Vor allem ist der Golf 8 digital. Ich finde das neue Cockpit des Golf deutlich gelungener als das in seinem elektrischen Gegenstück  ID.3, von der Wertigkeit in der Anmutung ganz abgesehen. Hier wurde nicht gespart. Endlich hat VW dem Golf zwei große Displays spendiert. Mit dem 25,4 cm (10 Zoll) großen Navigationssystem  „Discover Pro“ lässt sich die gesamte Fläche als Navigationskarte darstellen. Mit dem ebenfalls 25,4 cm (10 Zoll) großen Kombiinstrument „Digital Cockpit kann man sich Drehzahlmesser, Tachometer, Kilometerzähler und weitere nützliche Daten anzeigen lassen. Die beiden Displays liegen erstmals auf gleicher Höhe und erinnern an das Vorbild Mercedes, die sehr schick die beiden Displays in ihren brandneuen Autos zu einem einzigen, großen Display zusammengefasst hat.

 

Hinsichtlich der Software und den inzwischen unverzichtbaren Assistenzsystemen an Sicherheit und Komfort hat VW dem Golf nichts vorenthalten, leider mit kleinen, aber peinlichen Softwarefehlern zum Produktionsstart. Das war der Preis, den VW für die Abnabelung von seinen asiatischen Zulieferern zahlen musste. Die Panne hätte Herbert Diess fast sein Amt als CEO gekostet.


 Der vielfältige VW Golf

Überhaupt ist VW sehr bemüht, die Angebotsbreite des Golf sehr groß zu gestalten. Das Angebot an Antrieben ist wie gewohnt komplett. Lediglich den e-Golf gibt es aus verständlichen Gründen nicht mehr, dafür aber Mildhybrid- und Plug-in-Hybrid-Motoren. Die große Fangemeinde von Performance-Modellen haben wieder die Wahl zwischen dem GTD (200 PS), dem GTI (245 PS), dem neuen GTE (245 PS), dem GTI Clubsport (300 PS) und dem R (320 PS). Bei den Ausstattungsmodellen kann der Kunde wählen zwischen Basis, Life, Style und R-Line. Die Auswahl erscheint zunächst sehr übersichtlich zu sein, aber bei dem Wunsch nach einem DSG-Getriebe wird es bereits kompliziert. Lobenswert ist, dass VW auch beim Golf die Pakete umfangreicher schnürt und selbst das Grundmodell vernünftig ausgestattet ist. Jedoch die Unterschiede bei den serienmäßigen Preisen zwischen den Ausstattungsmodellen sind saftig und reichen von 19.881 € für das Grundmodell mit dem Motor 1,0 l, 90 PS und manuell 5-Gang bis 28.410 € für das sportliche R-Line-Modell mit dem 1,5 l TSi-Motor, 130 PS und manuell 6-Gang. Das sind Beträge, wo der stark preisreduzierte vollelektrische VW ID.3 oder auch das schnittige SUV T-Roc schon wieder interessant werden. Für einen Kaufberater keine leichte Aufgabe.


Bild-Quellen: VW AG

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Gerald Balser

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