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Noch vier Tage bis zur virtuellen Weltpremiere der neuen Modelle Arteon und Arteon Shooting Brake

Gerald Balser, 20. Juni 2020


VW hatte Jahrzehnte kein Glück mit seinen Stufenheckmodellen. Mit einem Anteil von ca. 70 %  stand das entsprechende Kombimodell, bei VW Variant genannt, immer im Mittelpunkt. Das lag leider nicht daran, dass Kombis mit ihrer großen Heckklappe und dem riesigen Stauraum einfach praktischer sind, sondern daran, dass VW nicht in der Lage war, formschöne Stufenheck-Modelle zu bauen. Warum auch immer. Das änderte sich erst im Jahre 2008 mit dem Erscheinen des VW Passat CC. Dies war der Versuch, aus dem doch eher nüchternen Passat ein sportlich emotionales viertüriges Coupé zu bauen. Abgekuckt hatte man sich dieses attraktive Modell von Mercedes, dem CLS, nur eine Nummer kleiner.


Mercedes CLS


Dabei hatte VW schon viele Jahre vor Mercedes die Gelegenheit, ein limousinenhaftes Reise-Coupé auf den Markt zu bringen. Ein solches Coupé war eine absolute Marktlücke, denn bis dato waren Coupés sehr sportlich, für zwei Personen ausgelegt. Fast vor genau 24 Jahren,  im Juni des Jahres 1996 schlug ich meinem ehemaligen Leiter der Abteilung „Zentrale Marketingplanung“ bei VW, Dr. Gerd Burmann, die Besetzung dieser Marktlücke vor. Er konnte einem Coupé, wie von mir beschrieben, durchaus viel abgewinnen und glaubte, dass hier für die Marke Volkswagen durchaus eine Lücke bestehe. Die Frage wäre wie immer, welche Priorität bei den vielfältigen Vorhaben in diesem Hause ein derartiger Vorschlag habe. Er habe meinen Vorschlag mit Empfehlung weitergeleitet. „Mal abwarten, welche Resonanz kommt“. Im September 1996 berichtet Dr. Burmann, dass man meinen Vorschlag hier im Hause mehrere Male diskutiert habe. In einer PSK-Sitzung (Produktstrategie-Kommission des Konzerns) hätte sich die Möglichkeit ergeben, die Chancen eines Coupés für die älteren Schichten zu diskutieren. Wegen der notwendigen, umfassenden Änderungen im Blech scheiterte zunächst diese Diskussion wiedermal an den Finanzen. Jedenfalls wäre es gelungen, das Projekt anzuschieben, ohne zu wissen, was daraus endgültig werden könnte. „Warten wir es ab, vielleicht gewinnt auch diese Idee Gestalt“.

VW Arteon

Bekanntlich wurde bei VW die Idee eines Reisecoupés erst wieder aufgegriffen, als im Jahre 2004 ein viertüriges Reise-Coupé von Mercedes, der CLS, wie eine Bombe im Markt einschlug. In meinem Brief an VW hatte ich vorgeschlagen, die inzwischen erwachsene und technisch exzellente Mittelklasse-Limousine Passat als Basis für das geplante Reisecoupé zu nehmen. Allerdings hatte ich ausdrücklich davor gewarnt, ein solch eigenständiges und auch teures Auto zu sehr in die Nähe seiner Basis des Passat zu bringen. Das Coupé könne den Passat nicht aufwerten, umgekehrt könne das Coupé dagegen aber abgewertet werden. Als Namen schlug ich „Biscaya“ vor. Wie leider befürchtet war das Ergebnis des Jahres 2008 der „Passat CC“ (Comfort Coupé). Erst nach vier Jahren sah VW endlich ein, dass es nicht klug war, den Kunden für viel Geld lediglich einen Edel-Passat zu verkaufen. Im Jahre 2012 wurde der Name „Passat“ gestrichen und übrig blieb der wenig aussagekräftige und emotionslose Zusatz „CC“. Auch der Name "Volkswagen CC" konnte nicht die Lösung des Problems sein. Noch immer wurde in den Medien vom Passat CC gesprochen. Der Produktionsstopp des VW Phaeton war für das edle Reisecoupé die Gelegenheit. Vor fast genau drei Jahren, am 16. Juni 2017, stellte VW sein neues Top-Modell, den VW Arteon, vor. Endlich ein eigenständiger Name. Warum nicht gleich? Der Name "Arteon" setzt sich zusammen aus dem Wort Art (Kunst) und der Endung „on“, eine Reminiszenz an den Phaeton. Dabei soll das "on" die Spitzenposition des neuen Modells symbolisieren. Der etwas holprige Name hat dem Modell jedenfalls nicht geschadet. Die Verkaufszahlen des Arteon haben sich in Deutschland bei 7.000 pro Jahr eingependelt. Das ist für einen Massenhersteller wie VW eher gefährlich wenig, aber pro Stück dennoch lohnend.


Erster Ausblick auf den neuen Arteon Shooting Brake und Arteon

Deshalb überrascht es nicht, dass ein facegelifteter Arteon II vor der Tür steht. Dabei hat er einen Bruder mit Steilheck und großer Heckklappe, den „Arteon Shooting Brake“. Auch hier beschreitet VW den von Mercedes bereits geebneten Weg. Die ersten Zeichnungen lassen einen noch sportlicheren Arteon erwarten. Die beschriebenen technischen Updates machen dieses Auto bei nahezu unveränderten Preisen noch deutlich attraktiver. Am Mittwoch, 24. Juni, wird es wegen Corona nur eine virtuelle Weltprämiere geben. Eigentlich unabhängig von der Krise keine schlechte Idee. Bald danach wird der Kunde dieses Auto real bei seinem VW-Händler um die Ecke begutachten können. Als quasi Vater dieses Coupés wünsche ich VW natürlich viel Erfolg.

 

 


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Gerald Balser

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