Buhmann SUV

Gerald Balser, 12. August 2019

Update: 20. Oktober 2019

 

Es vergeht kein Tag, an dem die Medien das SUV (Sport Utility Vehicle) als einen der Hauptverursacher der Umweltverschmutzung verdammen. Angesichts der Erderwärmung wäre es absolut unanständig, sich heutzutage ein solches Fahrzeug zu kaufen. Umso überraschender sind die aktuellen Zahlen des KBA (Kraftfahrzeug-Bundesamts). Der Gewinner auf dem deutschen Automobilmarkt ist das SUV. Der Segmentführer VW Tiguan ist inzwischen auf dem Deutschen Automobilmarkt die Nr. 2 nach dem VW Golf. Da nahezu jeder Hersteller auf den Erfolgszug aufspringt, ist das Angebot an SUVs überproportional groß. Der Anteil der SUVs an der Gesamtzahl der Neuwagenzulassungen beträgt aktuell ca. 30 % und eine Umkehr des Trends ist nicht zu erwarten. Läuft hier etwas schief oder wird ein Fahrzeug nur einfach schlecht geredet, weil der Umweltschutz ein griffiges Negativsymbol benötigt?

 

Um dies herauszufinden, sollte man sich zunächst einmal um die Fakten kümmern. Die veröffentlichte Meinung ist mit ihrer Kritik ungenau, weil nicht auf dem neuesten Stand. Sie argumentiert immer noch so, als befände man sich in den Anfängen dieses Trends. Damals handelte es sich bei den SUVs tatsächlich um reine, zumeist große Geländewagen, die notwendigerweise sehr stabil gebaut waren und zusätzlich eine schwere Geländetechnik besaßen. Dinge, die dieses Auto sehr schwer machten und zu hohen Spritverbräuchen führten. SUVs waren häufig doppelt so schwer wie ein vergleichbarer PKW. Diese Art SUVs waren damals und sind auch heute lediglich eine Marktnische mit der Zielgruppe Jäger und Förster bzw. Bewohner von Gebirgsregionen. Auch der Vorwurf, weil groß und schwer besonders gefährlich zu sein, stimmt so nicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind SUVs für Unfälle, die durch zu schnelles Fahren, zu geringem Abstand oder fehlerhaftes Überholen verursacht wurden, 3 % und für Unfälle mit Personenschaden 5 % verantwortlich.


Die Nachfrage nach SUVs stieg an, als man dazu überging, den Geländewagen auch für den Normalverkehr in Stadt und Autobahn umzubauen. Quasi als Reminiszenz an den Geländewagen blieben ein hoch gestelltes Fahrwerk mit einer komfortablen erhöhten Sitzposition sowie die praktische große Heckklappe. Bei vielen SUVs ist der Allradantrieb zwar serienmäßig, die Geländetauglichkeit aber zumeist eingeschränkt. Dafür erfüllt es alle Ansprüche an einen PKW. Die große Überraschung ist, dass der Käufer den Mehrpreis für die nur noch geringe Geländetauglichkeit und das Mehr an Unterhaltungskosten gegenüber einem herkömmlichen PKW akzeptierte.

 

Fast alle Automobilzeitschriften unterteilen die SUVs immer noch lediglich in kompakt und groß, obwohl inzwischen die Angebotspalette genauso tief wie beim PKW ist.  Auch hinsichtlich der Breite hat der Kunde heute eine große Auswahl. Viele SUVs entfernen sich immer weiter von ihrem Ursprung und gehen im Design in Richtung Sportlichkeit. Aus dem Steilheck wird ein Schrägheck bzw. sogar ein Fließheck und schon hat man ein zusätzliches Coupé im Sortiment. VW geht noch einen Schritt weiter und wird seinen T-Roc im kommenden Frühjahr als Cabriolet anbieten. Die negative Berichterstattung in den Medien zeigt bei den Herstellern bereits Wirkung.  Sie vermeiden bei diesen Fahrzeugen die Bezeichnung SUV und sprechen bevorzugt von Crossover.


Die aktuelle mediale Beschimpfung des SUV-Käufers ist so also nicht gerechtfertigt. Die Grundfläche des SUV unterscheidet sich nicht von der Limousine. Das Fahrzeug ist aber aufgrund der gewollten hohen Sitzposition einige Zentimeter höher. Dadurch wirkt auch ein Kompakt-SUV, wie z. B. der VW Tiguan mit seinen nur 4,50 cm Länge, wuchtig. Dennoch ist er etwas kürzer als der VW Golf Variant. Auch hinsichtlich des Spritverbrauchs unterscheiden sich die SUVs nicht wesentlich von den entsprechenden Limousinen. Das SUV von heute ist im Grunde in allen Klassen die attraktive Alternative zur Limousine bzw. dem Kombi. Die so verteufelten dicken, fetten Protz-Offroader sind also nicht die Masse der SUV - übrigens genauso wenig wie die Luxuslimousinen - , sondern haben einen Anteil von lediglich 4,5 %. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Umweltschützer ein symbolisches Hassobjekt gesucht und gefunden haben.

    

 Bildquellen: Daimler AG, VW AG

 

 

 

 

 

 

 

 


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Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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