Cupra Formentor: Der kupferne Stier aus Spanien

Gerald Balser, 26.Oktober 2020

 

Cupra? Formentor? Was ist das denn? Das ist der reine Hammer. Aber der Reihe nach. Die Marke VW hat bereits in den 70igern mit dem Kauf von Audi begonnen, einen Automobilkonzern aufzubauen. Über die Jahre hat der Konzern eine ausgeklügelte Strategie hinsichtlich Marketing, Produktplatzierung und Zielgruppenorientierung entwickelt, damit sich die inzwischen fünf Marken nicht gegenseitig die Kunden wegschnappen. Federführend war natürlich die Mutter VW. Die vier Töchter hatten sich zu fügen. Lange Jahre galt folgende Grundregel: Audi die sportliche Edelmarke, Skoda die bodenständige, preiswerte Marke, Seat die jugendliche Marke und Porsche die luxurielle Sportmarke. VW selbst legte sich nicht fest. Sie war die Marke für Jedermann.

 

Mit der organisatorischen Änderung in eine Holding mit einem Konzernvorstand, gab VW die Mutterrolle auf, alle fünf Marken gerieten auf Augenhöhe und die ehem. Töchter erhielten somit immer größere Selbständigkeit. Der dadurch entstandene dynamische Prozess brachte zwar den Vorteil eigener, toller Produktideen, birgt aber die Gefahr in sich, dass die Konkurrenz im eigenen Haus Überhand nimmt. Schon seit geraumer Zeit hat Skoda den Pfad des Biedermannes verlassen und präsentiert sich im schickem Design. Seat will nicht mehr nur jugendlich sein und wird immer sportlicher. Da selbst Seat die Sportlichkeit der eigenen Marke für eher begrenzt hält, hat man nach dem Vorbild von Mercedes mit AMG und BMW mit M eine eigene Performancemarke „CUPRA“ aufgebaut. Zunächst eher bescheiden mit vorhandenen Seat-Modellen, aber nun erstmals mit einem selbst entwickelten Fahrzeug, den „Cupra Formentor“.

 

Der Cupra Formantor ist ein Performance-SUV mit 310 PS und ein Derivat des neuen VW Tiguan, also ein Produkt des Konzernbaukastens. Der Produktname steht für die wild-romantische Halbinsel im Nordwesten von Mallorca „Cap Formentor“. Die Produktbeschreibung hört sich zunächst recht nüchtern an. Die von Cupra veröffentlichten ersten Bilder elektrisierten den Automobilenthusiasten. Und nun die Überraschung. Die Marke VW zeigte Größe und Mut und war damit einverstanden, den Formentor zeitlich deutlich vor dem angekündigten Tiguan R mit ebenfalls 310 PS der Öffentlichkeit vorzustellen. Der Formentor kann sogar bereits bestellt werden.

 

Das sportliche Design des Formentor und sein auffälliger, ja sogar aggressiver Auftritt begeistern. Dabei darf man nicht vergessen, der Formentor ist kein Sportwagen, er ist ein SUV der Mittelklasse. Stimmt auch nicht ganz. Für jene SUVs mit einem keilförmigen, an ein Coupé erinnerndes Design hat sich die Bezeichnung „Crossover Utility Vehicle“ (CUV) durchgesetzt. Aber nicht nur im Design, auch bei der Farbgebung hat sich Cupra sehr viel Mühe gemacht und - wie ich meine – dafür ein richtiges Konzept entwickelt. Die Markenfarbe Kupfer wurde sehr geschickt, nicht nur einfach als Abhebung, außen (Logo, Felgen und Bremssättel) und vor allem innen eingesetzt.

 

Ohne dieses Auto bereits gefahren zu haben, vertrauend auf die eingebaute exzellente Konzerntechnik, bin ich mir sicher, dass das Performance-Auto Formentor fahrtechnisch überzeugen und absolut konkurrenzfähig sein wird. Zusammen mit seinem moderaten Preis könnte er sogar den Edelmarken das Fürchten lehren, auch dem zukünftigen VW Tiguan R. Der Autofan fragt sich, warum Seat mit seiner Performance-Marke Cupra, aber nicht VW, ein so wunderbar emotional gestyltes SUV bauen kann. Wie würden sich die Verkaufszahlen des VW Tiguan entwickeln, wenn Seat den Formentor mit in den dieser Klasse üblichen Motoren anbieten würde? Aber das ist ja das raffinierte beim VW-Konzern (Siehe: Die Macht des modularen Baukasten-Systems, Gerald Balser, 20. Oktober 2020). Der sportlich-aggressive Cupra Formentor soll ganz andere Zielgruppen ansprechen als der zurückhaltende VW Tiguan. Ein Formentor würde zum Markenimage von VW überhaupt nicht passen.

 

Bildquellen: Seat Deutschland GmbH



AUTOMOBILMARKT

DEUTSCHLAND

www.automobilmarktdeutschland.de



Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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