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Der neue VW Golf oder der VW ID.3?

Gerald Balser, 13. März 2020

 

Der neue VW Golf 8 ist seit Dezember 2019 bestellbar und mit 12.409 Neuzulassungen im Februar immer noch mit Abstand das meistverkaufte Modell auf dem deutschen Markt, auch wenn er gegenüber dem Vorjahresmonat im zweistelligen Bereich hat Federn lassen müssen. Für den Sommer 2020 hat VW den Marktstart des vollelektrischen VW ID.3 angekündigt. Die beiden Modelle könnten gegensätzlicher nicht sein und dennoch sind sie wegen der nahezu identischen Außenabmessungen Konkurrenten.


Der neue Golf ist das technisch Beste, was VW im Segment kompakte Autos mit Verbrennermotor, also mit Benzin- und Dieselantrieb, je angeboten hat. Digital ist er auf dem letzten Stand,  unschwer zu erkennen z. B. am digitalen Cockpit. Er hat bereits jeden Test mit vergleichbaren Autos anderer Hersteller, aber auch innerhalb des VW-Konzerns, gewonnen.


 Der neue VW Golf

Welches Auto könnte ihm, dem Namensgeber der Golf-Klasse, gefährlich werden? Doch nicht etwa der vollelektrische ID.3? Das E-Auto ist auf dem deutschen Markt immer noch ein Exot. Das liegt sicherlich zum einen an dem schmalen Angebot, aber auch an seinem nicht gerade positiven Ruf. E-Autos gelten zunächst einmal als sehr teuer und für den Normalbürger als unerschwinglich. Sie haben die Nachteile einer geringen Reichweite und überlanger Ladezeiten, bei einer unterentwickelten Infrastruktur an Ladestationen. Wie sollte ein Auto dieser Konzeption dem VW Golf gefährlich werden? VW ist auf der IAA in Frankfurt jedenfalls kein Risiko eingegangen und hat den neuen Golf dort noch nicht vorgestellt. Der VW der Zukunft ID.3 hätte dem neuen Golf wahrscheinlich die Schau gestohlen.


Der VW ID.3


Inzwischen haben sich die Zeiten geändert und mit dem neuen ID.3 von VW wird hinsichtlich E-Auto alles ganz anders sein. Ohne dieses Auto gefahren zu haben, alleine wenn man die technischen Daten und die Preise gegenüber stellt, dürfte Schluss sein mit der Überlegenheit des VW Golf. Den e-Golf wird es jedenfalls mit dem Erscheinen des ID.3 nicht mehr geben.


Außenabmessungen

Modell

Länge

(m)

Radstand
(m)

Breite

(m)

Höhe

(m)

Golf

4,28

2,68

1,80

1,49

ID.3

4,26

2,77

1,81

1,55


Der ID.3 ist bei ungefähr gleicher Fahrzeugbreite zwar 2 cm kürzer als der Golf, die platzsparende Konzeption erlaubt allerdings einen Radstand von 2,77 m (9 cm mehr als beim Golf und 3 cm weniger als beim Passat) und macht den ID.3 zu einem Raumwunder. Wegen der Platzierung der Batterien im Fahrzeugboden ist der ID.3 deutliche 6 cm höher als der Golf und die dadurch erhöhte Sitzposition erinnert an einen Van.



 Leistungsdaten

Modell

Motor

Leistung
(PS)

V max
(km/h)

Beschleu-nigng
(s)

Batterie
(kWh)

Ladege-schwin-digkeit
(kW)

Golf

1.5 TSI ACT OPF

130

214

9,2

------

------

Golf

1.5 TSI ACT OPF

150

224

8,5

------

------

Golf

1.5 TSI ACT OPF 7G-DSG

150

224

8,5

------

------

Golf

2.0 TDI SCR

115

202

10,2

------

------

Golf

2.0 TDI SCR

7G-DSG

150

223

8,8

------

------

ID.3

Elektro

1G-Automatik

150

180

8,0

45

DC 50

ID.3 Plus

Elektro

1G-Automatik

150

180

8,5

57

DC 100

ID.3 max

Elektro

1G-Automatik

204

180

7,5

78

DC 100

Hinsichtlich der Leistung ist der ID.3 im Schnitt eigentlich etwas höher platziert als der Golf. Den Golf GTI gibt es zurzeit noch nicht im Angebot. Wie für E-Autos typisch ist die Beschleunigung des ID.3 im Schnitt höher, dafür ist die Höchstgeschwindigkeit deutlich niedriger. Aber wie allgemein bekannt, ist die Höchstgeschwindigkeit inzwischen auch auf Deutschlands Autobahnen nur eine theoretische Größe. Die Power beim Anfahren im ID.3 bei absoluter Laufruhe kann dagegen jeder erfahren. Bliebe noch die benötigte Zeit für die Aufladung des ID.3. Es gibt ihn mit drei unterschiedlich großen Batterien und zwei unterschiedlichen Ladegeschwindigkeiten: Basis ca. 50 Minuten, Plus ca. 30 Minuten und max ca. 45 Minuten bei einer Schnellladesäule. Diese Zeiten sind mit der einer Tankauffüllung natürlich nicht zu vergleichen. Bei der Aufladung ist es aber auch nicht notwendig  anwesend zu sein. Bei der augenblicklich rasanten Zunahme an Ladestationen wird eine spezielle Suche nicht mehr notwendig, denn man findet sie überall. Wer an Ladesäulen des VW-Konzerns bzw.  kooperierender Betreibern auflädt, bekommt sogar Strom aus alternativen Energiequellen.


Umweltdaten

Modell

Verbrauch

(PS)

Reichweite
(km)

CO2
(g)

6d-TEMP
(Klasse)

Golf TSI 130

4,7

720

108

A

Golf TSI 150

4,8

700

110

A

Golf TSI 150

4,6

735

106

A

Golf TDI 115

3,5

950

91

A+

Golf TDI 150

3,7

890

97

A+

Modell

Verbrauch

(kW/h)

Reichweite
(km)

CO2
(g)

6d-TEMP
(Klasse)

ID.3 150

13,6

330

0

A+

ID.3 Plus 150

13,8

420

0

A+

ID.3 max 204

14,0

550

0

A+

Die Reichweiten vom Golf Benziner und insbesondere vom Golf Diesel sind im Vergleich zum ID.3 riesig. Die Frage ist, ob man diese Reichweiten unbedingt benötigt. Kaum jemand wird auf der Autobahn ohne Pause am Stück über 550 km fahren, mit Ausnahme vielleicht von Herrn Bleifuß. Ein verantwortungsvoller Fahrer wird spätestens nach zwei bis drei Stunden Fahrt eine Kaffee-Pause mit Toilettengang einlegen. Dafür reichen die ca. 30 Minuten Ladezeit für 290 Kilometer aus. Im Gegensatz zum Golf fährt der ID.3 natürlich ausschließlich emissionsfrei. Die Berechnung der tatsächlichen Kosten für den Verbrauch ist weder beim Verbrenner noch beim E-Motor einfach, da der abhängig ist vom Fahrstil, den Örtlichkeiten, den Einsatz von strom- bzw. spritfressenden Ausstattungen und den Jahreszeiten. Die Betreiber von Ladesäulen verlangen außerdem sehr unterschiedliche Strompreise, z. T. kWh- oder zeitabhängig. Auch der Haushaltsstrom ist über Nacht in der Regel billiger als am Tag. Zu guter Letzt hat man mit dem ID.3 sogar die Möglichkeit, evtl. bei seinem Arbeitgeber und einigen Möbelhäusern, Supermärkten und Hotels kostenlos zu tanken. Unterm Strich kann man davon ausgehen, dass das Fahren mit Strom billiger ist als mit Benzin und auch mit Diesel.


Preise

Modell

Basis
(€)

Life

(€)

Style

(€)

Golf TSI 130

------

26.460

28.735

Golf TSI 150

------

27.480

29.755

Golf TSI 150

------

30.205

32.480

Golf TDI 115

25.630

28.105

-------

Golf TDI 150

------

32.790

35.065

Modell

Basis
(€)

Plus

(€)

 max

(€)

ID.3 150

ca. 29.950

------

------

ID.3 Plus 150

------

ca. 34.950

------

ID.3 max 204

------

------

ca. 44.950

e-Golf

------

31.900

------

Der Basispreis des ID.3 liegt deutlich über dem des Golf. Zieht man aber die Umweltprämie in Höhe von 6.000 € ab, dann ist der ID.3 sogar billiger.  Selbst in der mittleren Preislage liegen Golf und ID.3 preislich ungefähr auf gleichem Niveau. Nur zum Vergleich: Für den  aktuellen e-Golf mit 136 PS und einer maximalen Reichweite von 230 km verlangt VW laut Liste erstaunliche 31.900 €. Beim Spitzenmodell ID.3 max stimmt dieser Eindruck nicht mehr. Die Prämie kann den imensen Preisunterschied in der Liste zum teuersten Golf nicht ausgleichen. Der ID.3 max hat allerdings eine PS-Leistung von 204 gegenüber von lediglich 150 PS beim Golf Style Diesel. Insofern verbietet sich hier eigentlich der direkte Vergleich.


Bedenkt man die steuerlichen Vorteile des E-Autos durch den jahrelangen Wegfall der Kfz-Steuer und das evtl. steuerfreie Laden (kein geldwerter Vorteil) auf dem Parkplatz des Arbeitgebers, gewinnt der ID.3 weiterhin Oberwasser. Geringe Kosten durch den Wegfall vieler Verschleißteile des Verbrenners und die Wartungsarmut des E-Motors machen den ID.3 im Unterhalt preislich sehr günstig. Ein Risiko besteht allerdings in der Haltbarkeit der immer noch sehr teuren Batterie. Hier gibt es noch keine Erfahrungswerte. VW gibt allerdings eine Garantie von acht Jahren.


Es wird interessant sein zu beobachten, wann der sparsame Autofahrer die nunmehr preislich günstige Variante E-Auto entdeckt. Welches der beiden VWs letztlich die Nase vorn haben wird, dürfte eigentlich nur für den jeweiligen Produktmanager interessant sein. Die Marke VW interessiert sich hauptsächlich für das Gesamtergebnis.

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