Digitales Auto - Warum immer noch so viele Autounfälle, Verkehrstote und Verletzte?

Gerald Balser, 9. Dezember 2020


Massenkarambolage auf der A5, Frontalunfall auf der Bundestraße 49, Fahrradfahrer durch rechts abbiegenden LKW tödlich verletzt. Diese Meldungen geistern seit Jahrzehnten täglich durch unsere Medien. Die Zahl der Verkehrstoten nimmt zwar permanent ab, das hat aber seinen Grund in der immer besser werdenden passiven Sicherheitstechnik unserer modernen Autos. Das Statistische Bundesamt meldet: Im Jahr 2019 sind in Deutschland 3.059 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Das waren 216 Todesopfer oder 6,6 % weniger als im Jahr 2018 (3.275 Todesopfer). Mit großer zeitlicher Verzögerung hat die Digitalisierung auch im Auto stattgefunden. Fahrer-Assistenzsysteme gehören heute z. T. bereits zur Serie neuer Fahrzeuge bzw. werden in Ausstattungspaketen oder als Sonderausstattung angeboten. Die deutsche Automobilindustrie arbeitet mit Hochdruck an dem autonom fahrenden Auto. Auch wenn das fahrerlose Auto immer noch ein wenig Utopie ist, konnten VW & Co. Level 2 der insgesamt fünf Levels bereits bei Serienfahrzeugen erreichen. Waren Fahrhilfen vor Jahren allein den Oberklasse- bzw. Luxusfahrzeugen vorbehalten, bekommt man diese feine Technik bereits in Kleinwagen. Das liegt aber auch daran, dass die digitalen Hilfen sehr viel billiger sind und den Kleinwagen nicht unverhältnismäßig verteuern. Selbst ein nachträglicher Einbau gestaltet sich bei digitaler Technik recht unkompliziert. Und dennoch diese vielen Unfälle, dieses menschliche Leid? Die Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht. Das Angebot an digitalen Hilfen ist inzwischen für den Kunden fast kaum überschaubar geworden. Anhand des üppigen VW-Angebots möchte ich versuchen, In den Wirrwarr System herein zu bekommen.


Active Lane Assist

Der Spurhalteassistent hält das Fahrzeug auf der Straße automatisch mittig und hält die Spur selbständig, sogar in Kurven. Dadurch ist es unmöglich, einen Frontalunfall mit einem Fahrzeug der Gegenfahrbahn zu verursachen.

 

Baustellenassistent

Ähnlich verhält es sich beim Baustellenassistenten. Dieser erfasst die Fahrbahnmarkierungen und die Abstände zur Fahrzeugumgebung inklusive der benachbarten Fahrzeuge. Der Baustellenassistent nutzt diese Informationen um den optimalen Fahrkorridor zu berechnen und sogar bei aufkommenden Hindernissen zu korrigieren. Ähnlich wie beim Spurhalteassistenten erfolgt auch hier der Lenkeingriff

 

Adaptive Cruise Control (ACC)

Die „Adaptive Cruise Control“ (ACC) dient dazu den Fahrer vor allem auf Langstrecken zu entlasten. Der Abstand zum Vorausfahrenden wird durch automatisches Bremsen und Gas geben gehalten. Das Auto zur Vermeidung eines Auffahrunfalls bis zum Stillstand abbremst. Zusätzlich reagiert er innerhalb der Systemgrenzen auf Kurven und Tempolimits und integriert sie in die automatische Geschwindigkeitsregelung.

 

Front Assist

Der „Front Assist“ erkennt kritische Abstandssituationen und hilft, den Anhalteweg zu verkürzen. Der „Front Assist“ reagiert in zwei Stufen: das Assistenzsystem warnt den Fahrer mit akustischen und optischen Signalen vor plötzlich stark verzögernden oder langsam vorausfahrenden Fahrzeugen. Parallel dazu wird das Fahrzeug auf eine Notbremsung „vorbereitet“. Sollte der Fahrer nicht auf die Warnung reagieren, wird er in der zweiten Stufe durch einen einmaligen kurzen Bremsruck auf einen drohenden Auffahrunfall hingewiesen und das Ansprechverhalten des Bremsassistenten weiter erhöht.

 

Stauassistent

Der Stauassistent macht das Fahren im Stau bzw. bei Stopp-and-Go-Fahrten deutlich komfortabler. Durch das Zusammenspiel der Assistenzsysteme fährt der Wagen bis 59 km/h teilautomatisiert. Der GTE lenkt und bremst dabei komplett selbstständig und verhindert einen Auffahrunfall.

 

Müdigkeitserkennung

Bei einer normalen Fahrweise wird das Lenkrad permanent leicht bewegt. Das unbewusste Regelverhalten setzt allerdings immer wieder kurzzeitig aus, wenn der Fahrer müde ist, hält er das Lenkrad starr. Um seine Fehler zu korrigieren, treten dann mit hoher Geschwindigkeit starke Lenkbewegungen auf. Das System erkennt innerhalb seiner Systemgrenzen, aufgrund des charakteristischen Lenkverhaltens, sowie Fahrdauer und Tageszeit, Müdigkeit und warnt daraufhin den Fahrer optisch und akustisch.  

 

Verkehrszeichenerkennung

Geschwindigkeitshinweise und Überholverbote werden durch die Verkehrszeichenerkennung im Kombiinstrument vor dem Fahrer und im Display des Navigationssystems dargestellt. Optional ist es möglich, sie direkt als Set-Geschwindigkeit für die ACC übernehmen zu lassen. Die Limits werden dann automatisch gesetzt und bei einem entsprechenden Verkehrszeichen (z. B. Limit 120 km) direkt kräftig abgebremst (macht die Blitzer arbeitslos).

 

Blind Spot

Im linken und rechten Seitenspiegel warnt ein Licht (Blind Spot) vor überholenden Autos im toten Winkel.

 






Ausparkassistent

Der Ausparkassistent unterstützt den Fahrer beim rückwärtigen Ausparken. Sollte sich ein anderes Fahrzeug nähern, wird der Fahrer durch einen Signalton informiert. Das System kann, wenn der Fahrer nicht reagiert, eine Kollision durch einen Bremseingriff verhindern und damit mögliche Unfallfolgen mindern oder gar gänzlich vermeiden.

 

Multikollisionsbremse

Solche Folgekollisionen können durch die Multikollisionsbremse womöglich vermieden oder deren Schwere zumindest verringert werden. Nach einer Kollision und im Rahmen der Grenzen des Systems leitet die Multikollisionsbremse automatisch eine Bremsung ein, noch bevor der Fahrer reagieren kann.

 

Proaktiver Insassenschutz

Der proaktive Insassenschutz erkennt Unfallgefahren und bereitet die Insassen (Gurtstraffer) und den Verkehr hinter meinem Fahrzeug (Warnblinker) auf einen Unfall vor. Bei den Fahrassistenzsystemen geht es mir so wie beim Abschluss einer Versicherung. Ich wünsche mir, dass ich sie niemals brauche, bin aber froh, wenn ich sie im Notfall habe.

 

Emergency Assist

Zu guter Letzt übernimmt der Emergency Assist das Fahrzeug, sobald das System erkennt, dass der Fahrer auf Warnungen nicht reagiert und fährt das Auto nach rechts auf den Seitenstreifen. Rund 25 Prozent aller Unfälle mit Personenschäden sind Kollisionen, die nach dem eigentlichen Erstunfall passieren.

 

LED-Matrix-Scheinwerfer

Diese Scheinwerfer passen sich den jeweiligen Verhältnissen an, egal ob am Tag in der Stadt, abends auf der Landstraße oder bei schlechtem Wetter auf der Autobahn. Nachts kann man außerhalb der Stadt grundsätzlich mit Fernlicht fahren. Bei entgegenkommendem Verkehr wird automatisch abgeblendet.

 

Travel Assist

VW hat schnell erkannt, dass der Fahrer mit dem Ein- und Ausschalten der vielen, einzelnen Systeme überfordert ist und hat die wichtigsten und miteinander verwandten Systeme zum Travel Assist System zusammengefasst. Jetzt genügt ein einziger Knopfdruck. Damit übergibt der Fahrer die Führung an das System. Er überwacht lediglich das Fahrzeug und den Verkehr während der Fahrt fortlaufend, ist aber jederzeit in der Lage, sofort die Steuerung des Fahrzeugs zu übernehmen. Der Travel Assist ermöglicht teilautonomes Fahren (IQ-Drive) auf dem Level 2.

 

Um die Verkehrsunfälle deutlich zu reduzieren, müssten die Kunden die Systeme auch kaufen. Das ist das Problem. Obwohl im Vergleich zu so mancher LM-Felge recht preiswert, halten sich die Kunden bei dieser Geldausgabe zurück. Die Assistenzsysteme sind nicht sichtbar, Sonderausstattung hinsichtlich Komfort und Sportlichkeit dagegen schon. Zum Glück gehen die Hersteller immer mehr dazu über, die Assistenzsysteme verantwortungsvoll nicht mehr nur einzeln als Sonderausstattung anzubieten. VW stattet seine Basismodelle sogar mit den wichtigsten Systemen aus oder verpackt sie in Ausstattungspaketen. Ohne eine verbindliche, staatliche Regelung wird es aber letztlich nicht gehen.

 

Bildquellen: VW AG

 

 

 

 

 


AUTOMOBILMARKT

DEUTSCHLAND

www.automobilmarktdeutschland.de



Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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