Die Macht des modularen Baukasten-Systems

Gerald Balser, 20. Oktober 2020

Siehe auch "Die Modularen Baukästen von VW"

Update Gerald Balser, 11. Februar 2020

 

In den siebziger Jahren war es für jeden VW-Ingenieur gegen seine Berufsehre, ein neues Auto nicht komplett neu zu entwickeln. Im Ergebnis waren die Modelle dadurch erfreulich unterschiedlich, aber auch keine Schraube glich der anderen. Dieser große Individualismus wurde bezahlt mit einem sehr hohen Anteil der Entwicklungskosten an den Gesamtkosten.


Mitte der 70er-Jahre schaute VW in den Abgrund. Der VW Käfer stürzte bei den Verkäufen weltweit ab und VW hatte damals - im Gegensatz zur Tochter Audi - kein modernes Auto in seinem Portfolio. Es gehört zu den Legenden, dass damals in der Not das berühmte Baukasten-Prinzip von VW erfunden wurde. Ein solches System hatten damals nur die Amerikaner, vor allem General Motors. VW bediente sich dagegen lediglich der klugen Vorarbeit von Audi, die man wenige Jahre zuvor aufgekauft hatte. Der erste neue VW mit dem modernen Konzept "wassergekühlter Frontmotor und Vorderradantrieb", der VW Passat war ein Audi 80 mit Schrägheck und der erste VW Polo ein Audi 50 mit dem VW-Lollipop anstatt der Audi-Ringe im Kühlergrill. Trotzdem waren diese "Plagiate", wie sie etwas abfällig von den VW-Ingenieuren genannt wurden, von Anfang an äußerst erfolgreich. Den ersten modernen Baukasten für den gesamten VW-Konzern hat tatsächlich erst im Jahre 1995 der damalige Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch durchgesetzt.


Den berühmten Modularen Querbaukasten (MQB) für kleinere (MQB-A0/-A1) und mittlere Fahrzeuge (MQB-A3) mit vorn quer eingebautem Motor gibt es erst seit 2012. Der MQB ist der Nachfolger der ursprünglichen starren Plattform, die auf identischer Basis  lediglich andere Karosserien mit ähnlichen Abmessungen (VW Golf und Audi A3) erlaubten.  Beim MQB vergrößern sich die Möglichkeiten deutlich. Es können viele Modelle der verschiedenen Konzernmarken mit einheitlichen Vorder- und Hinterwagen-Modulen bei unterschiedlichen Radständen und Spurbreiten sowie unterschiedlichen Antriebsarten gebaut werden. Der Querbau des Motors erbringt zusätzlich mehr Platz im Innenraum, eine Verbesserte Sicherheit, ein verringertes Gewicht und verbrauchgünstigere Motoren. Letztlich könnten auf einem Fließband sogar unterschiedlich große Modelle produziert werden.


Modularer Querbaukasten (MQB)


Der riesige Erfolg des VW-Konzerns und sein Aufstieg zur Nr. 1 der Welt, wäre ohne den MQB nicht möglich gewesen. Nun ist die Autowelt dabei, sich grundlegend zu verändern. Der VW-Konzern hat schnell reagiert und als erster Hersteller (nach eigenem Vorbild) einen Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) entwickelt. Die Vorteile des kostenreduzierenden MEB eigenen sich gerade für die eher teuren E-Autos. Ohne den MEB wären VW & Co. nicht in der Lage, in kürzester Zeit, stakkatohaft neue Modelle vorzustellen.


Modularer E-Antriebsbaukasten (MEB)


Natürlich, wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Kritisiert wird der  "Einheitsbrei" in der Technik. Sollte in einem VW-Modell ein Fehler auftauchen,  dann gibt es diesen auch in den entsprechenden Modellen der anderen Konzernmarken. Aber ich denke bei einer Abwägung überwiegen die Vorteile des Baukastens deutlich. Der junge Seat-Käufer freut sich jedenfalls über die exzellente VW-Technik in seinem Ibiza zu einem günstigen Preis.


Jede Konzernmarke darf bzw. muss ins Rennen einsteigen.  Es ist VW gelungen, mit ihren Modellen bei weitgehend gleicher Technik, vor allem durch eine entsprechende Design-Gestaltung im Fahrzeuginneren und der Karosserie, unterschiedliche Käufer anzusprechen und dabei mit dem dadurch entstandenen riesigen Angebot den Markt völlig abzudecken. Für mich ist die fein differenzierte Modellvielfalt innerhalb des VW-Konzerns eine Meisterleistung des Marketing.


Portfolio des VW-Konzerns Ende 2020


Kleinst- und Kleinklasse

VW

Audi

Skoda

Seat

Cupra

Porsche

up!


City i.V.

Mii electric



Polo

A1 Sportback

Fabia

Ibiza





Fabia Combi





Kompaktklasse

VW

Audi

Skoda

Seat

Cupra

Porsche

Golf

A3 Sportback

Scala

Leon




A3 Limousine

Octavia Limo

Leon SpoTou



Golf Variant


Octavia Com




Golf Sportsva







Mittelklasse

VW

Audi

Skoda

Seat

Cupra

Porsche

Passat Limou

A4 Limousine

Superb Limo




Passat Varian

A4 Avant

Superb Comb




Arteon

A5 Sportback





Arteon ShBr







A5 Coupé






A5 Cabrio






Ober- und Luxusklasse

VW

Audi

Skoda

Seat

Cupra

Porsche


A6 Limousine






A6 Avant






A7 Sportback






A8 Limousine




Panamera






Panamera ST


SUV

VW

Audi

Skoda

Seat

Cupra

Porsche

T-Cross

Q2

Kamiq

Arona



T-Roc

Q3

Karoq

Ateca




Q3 Sportback





Tiguan

Q5

Kodiaq

Tarraco

Formentor

Macan

Tiguan Allspa






Touareg

Q7




Cayenne


Q8




Cayenne Cou


Van

VW

Audi

Skoda

Seat

Cupra

Porsche

Touran






Caddy



 



Caddy Maxi






Sharan

 


Alhambra



Transporter







Coupé und Cabriolet

VW

Audi

Skoda

Seat

Cupra

Porsche

T-Roc Cabrio







TT Coupé




718 Cayman

 

TT Roadster




718 Boxster


R8 Coupé




911 Coupé


R8 Spyder




911 Cabrio


Vollelektrische Autos

VW

Audi

Skoda

Seat

Cupra

Porsche

ID.3




el-Born


ID.4

Q4 e-tron

Enyak




ID.5







e-tron




Macan electr


e-tron Sportb










Taycan


Der Marktanteil des VW-Konzerns in Deutschland beträgt seit Jahren ca. 40 %. Bei einem solch geballten Marktauftritt hat es die Konkurrenz sehr schwer. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass viele Modelle des VW-Konzerns Marktführer in ihren Segmenten sind. Aber auch innerhalb der Autobranche hat VW aufgrund seiner Marktmacht sehr großen Einfluss. Z. B. verursachte die frühe Entscheidung des Vorstandsvorsitzenden des VW-Konzerns, Herbert Diess, für das E-Auto seine Kollegen bei Mercedes und BMW den Weg von VW zu folgen. Heute können Sie ihm dankbar dafür sein.




 


AUTOMOBILMARKT

DEUTSCHLAND

www.automobilmarktdeutschland.de



Inhaber und Autor 

Dipl. Oec. GERALD BALSER

St. Pete, FL, Oktober 2016

 






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Gerald Balser 

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