VW ist nicht Tesla

Gerald Balser, 9. Dezember 2011


Herbert Diess


Ausgerechnet in einer Zeit großer Umbrüche auf dem Automobilmarkt, in einer Zeit, wo große Geschlossenheit und Entschlossenheit angesagt ist, kracht es im Hause VW. Der Außenstehende wundert sich, dass der so erfolgreiche CEO von VW, Herbert Diess, kurz vor dem Rausschmiss gestanden haben soll. Wie ist das möglich, denn Diess war es, der gegen den Widerstand seiner Kollegen bei Mercedes und BMW frühzeitig die Weichen in Richtung E-Auto gestellt hat, der frühzeitig einen "Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB)" entwickeln ließ, der den Trend zum Outsourcen bei VW beendete und VW mit dem Aufbau einer eigenen IT- und Batterieproduktion unabhängiger von asiatischen bzw. amerikanischen Zulieferern gemacht hat. VWs Anspruch, zukünftig auch bei den E-Autos die Nr. 1 zu werden, wurde erst durch seine klugen Entscheidungen realistisch. Ein solch verdienstvoller, vorausschauender Manager soll auf einem angesägten Stuhl sitzen? Das ist kaum vorstellbar. Bei VW in Wolfsburg schon.


Elon Musk


Bei Tesla reibt man sich die Augen. Elon Musk, der Eigner von Tesla, ist gewarnt. Er bekommt live vor Augen geführt, wie mächtig die Gewerkschaft IGM und der VW-Betriebsrat in Deutschland sind. Wolfsburger Verhältnisse will er für seine Giga-Fabrik in Grünheide bei Berlin auf keinen Fall haben. Mit der nach den neuesten Erkenntnissen gebauten Fabrik für E-Autos hat er die Branche geschockt. Tesla gibt an mit der Hälfte der Arbeitnehmer drei Mal so viele Autos bauen können als VW in Wolfsburg. 


Ein „Weiterso“ bei VW ist vor diesem Hintergrund unmöglich Mit einer Verlagerung des Schwergewichts der Produktion vom Verbrenner zum E-Auto werden die alten VW-Fabriken immer mehr zum Problem. Ein Umbau der alten Fabriken auf die Produktion von E-Autos bei gleichzeitiger Beibehaltung der Produktion ist sehr teuer und organisatorisch äußerst schwierig. Eine neue Giga-Fabrik nach dem Vorbild von Tesla am Standort Wolfsburg muss her, aber auch an anderen Standorten. Da inzwischen jedem klar sein sollte, dass die Produktion von E-Autos, wegen der geringen Zahl an benötigten Teilen viel weniger Arbeitsschritte erfordert, hätte die Ankündigung von Diess, 30.000 Stellen zu streichen, eigentlich keine Überraschung sein dürfen, auch nicht für die IGM und den VW-Betriebsrat mit der neuen Vorsitzenden Daniela Cavallo


Daniela Cavallo


In Wolfsburg ist es aber üblich, solch eine schwere, eingreifende Maßnahme selbstverständlich vorher mit der Arbeitnehmerschaft  abzusprechen und sozialverträglich zu behandeln. Die einsame Entscheidung von Herbert Diess kann vom Betriebsrat nur als eine mangelnde Wertschätzung empfunden werden. So macht man sich keine Freunde. Man sollte wissen, ein CEO bei VW ist kein unumschränkter Herrscher. Er braucht für ein reibungsloses Handeln die Arbeitnehmerschaft auf seiner Seite, zumal auch das Land Niedersachsen (SPD-geführt) mit einem Anteil von 20 % der Aktien eine Sperrminorität besitzt. Dies vermutet man nicht in Betrieben der freien Wirtschaft, eher  im Bereich Politik. Selbst unser neuer, mächtiger Bundes-Kanzler Olaf Scholz verfügt mit seiner SPD nicht über eine absolute Mehrheit.


Für Herbert Diess, der von Bosch und BMW kommt, sind solch diffizilen Verhältnisse sicherlich ungewohnt, aber bestimmt nicht unbekannt. Herbert Diess ist sich bewusst, dass er das riesige Schiff VW durch schwere See führen muss und eine glückliche Heimkehr nicht sicher ist. Er ist davon überzeugt, dass eine sichere Überfahrt nur durch harte Entscheidungen für die Arbeitnehmerschaft gelingen kann. Hilfreich wäre für VW sogar eine schnelle, klare politische Entscheidung hinsichtlich des Baus von Verbrennern, denn auf Dauer kann kein Unternehmen, auch nicht VW, zweigleisig produzieren. Bislang hat zwar der Verbrenner das Geld für die Entwicklung des E-Autos verdienen müssen, aber das E-Auto hat inzwischen ordentlich Fahrt aufgenommen. Mit großer Bewunderung, aber auch beneidend, schaut Diess auf Tesla und seinen Freund Elon Musk, der seine E-Autos ohne den „Ballast“ Verbrenner produziert.


Ralph Brandstädter


Die „Eigenmächtigkeiten“ - oder besser gesagt - die mutigen Schritte von Diess sind nicht ohne Folgen für seinen Spielraum als CEO von VW geblieben. Herbert Diess wurde unlängst die direkte Verantwortung über die Marke VW entzogen und an Ralf Brandstätter übertragen. Nach der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats teilte der Konzern mit, dass Brandstätter von August 2022 an auch das bislang von Diess geführte China-Geschäft verantworten wird. Außerdem steigt er im nächsten Jahr auf in die Vorstandsetage des Konzerns.


Das forsche Auftreten von Herbert Diess dürfte aber keineswegs törichter Übermut, sondern gezielte Absicht sein. Es passt zu seiner nicht gerade diplomatischen Art, gerne einmal Druck zu erzeugen und das gesamte - nach seinem Eindruck etwas träge Unternehmen - mit provokanten Äußerungen in die Gänge zu bringen. Ich könnte mir vorstellen, dass Herbert Diess ein Scheitern bewusst riskiert hat. Sein Kalkül: Entweder nehmen die Verantwortlichen Vernunft an und geben nach oder er verlässt VW und wechselt zu Tesla, zu seinem Vorbild Elon Musk. Der würde sich bestimmt freuen. Dies wäre ein großer Image-Gewinn für Tesla, aber gleichzeitig ein bedauerlicher Imageverlust von VW. 


Die Würfel sind zunächst gefallen. Herbert Diess bleibt der CEO des VW-Konzerns mit reduzierter Verantwortung. Vielleicht empfindet Diess die Beschneidung seiner Macht sogar positiv. Nun muss er sich nicht mehr im Klein-Klein des operativen Geschäftes verstricken. Vielmehr kann er sich verstärkt den strategischen Zielen des Konzerns widmen, dazu gehört auch die Veränderung der Unternehmenskultur in Richtung höherer Flexibilität, größerer Schnelligkeit und eines Höchstmaßes an Innovation. Weiterer Krach mit dem Betriebsrat ist vorprogrammiert. Das Rennen um die Macht bei VW ist aber mit Sicherheit noch nicht zu Ende.





 



 


 


 

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